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Ratgeber

Strom und Gas 2027: Warum deine Rechnung zweimal steigt

Strom und Gas 2027: Warum deine Rechnung zweimal steigt

Das Wichtigste in Kürze

  • Gasversorger erhöhen Preise 2027 um zehn bis 20 Prozent
  • Übertragungsnetzentgelt steigt von 2,86 auf 3,54 Cent pro kWh netto
  • Haushalt mit 4.000 kWh Strom zahlt rund acht Euro mehr pro Jahr
  • Stromsteuer-Senkung auf EU-Minimum würde rund 93 Euro pro Jahr sparen
  • Gasheizung im Oktober etwa 177 Euro, Wärmepumpe rund 113 Euro

Strom und Gas werden 2027 teurer. Die Gründe sind diesmal grundverschieden, und das hat Folgen für jeden Haushalt. Beim Strom passiert etwas, das auf den ersten Blick widersinnig klingt: Die Netzentgelte steigen deutlich, weil der Bund bei seinem Zuschuss für die Netze kürzt.

Warum deine Stromrechnung 2027 steigt, obwohl der Bund spart

Frau im Wollpulli sitzt am Küchentisch und prüft besorgt ihre Heizkostenabrechnung

Übertragungsnetze sind die Höchstspannungsleitungen, die Strom über weite Strecken transportieren. Anfang Oktober haben die vier Übertragungsnetzbetreiber die vorläufigen bundeseinheitlichen Entgelte für 2027 veröffentlicht. Danach steigt das Übertragungsnetzentgelt von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde netto, ein Plus von knapp 24 Prozent.

Hinter dem Sprung steht der Bund. Er senkt seinen Zuschuss zu den Kosten der Übertragungsnetze von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro. Was der Bund nicht mehr zahlt, legen die Netzbetreiber auf die Netzentgelte um, also die Gebühren für Transport und Verteilung des Stroms.

Bei den Haushalten kommt der Sprung abgeschwächt an, denn das Übertragungsnetz macht nur einen Teil der gesamten Netzkosten aus. Im Schnitt steigen die Stromnetzentgelte 2027 um 1,9 Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutet das rechnerisch rund acht Euro mehr im Jahr.

Wie stark die Rechnung tatsächlich steigt, hängt vom jeweiligen Verteilnetzgebiet und weiteren Bestandteilen des Strompreises ab. In den alten Bundesländern zahlen Haushalte 2027 im Schnitt rund zehn Euro mehr für die Stromnetze, in den neuen Bundesländern rund drei Euro weniger. Am stärksten steigen die Stromnetzentgelte in Hamburg.

Was die Stromsteuer-Senkung bringen würde, und warum sie auf sich warten lässt

Es gibt eine mögliche Entlastung, die alles übertreffen würde. Kanzler Friedrich Merz hat bereits angekündigt, die Stromsteuer-Senkung für alle nachholen zu wollen. Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD war sie für private Haushalte ohnehin schon vorgesehen.

Verivox hat durchgerechnet, was eine Senkung von 2,05 auf das EU-Minimum von 0,1 Cent je Kilowattstunde bringen würde. Der Durchschnittspreis sänke inklusive Mehrwertsteuer von 34,36 auf 32,04 Cent je Kilowattstunde. Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden würde nach diesen Berechnungen rund 93 Euro im Jahr sparen, mehr als das Zehnfache des Netzentgelt-Aufschlags.

Alle Privathaushalte zusammen kämen auf rund drei Milliarden Euro oder sieben Prozent ihrer Stromkosten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Versorger die Senkung vollständig weitergeben.

Seit der Ankündigung gibt es allerdings keinen Termin. Der Haushaltsentwurf 2027 sieht für Privathaushalte keine Senkung vor. Finanzminister Lars Klingbeil zweifelt an der Finanzierbarkeit. „Entscheidend ist jetzt, dass aus der politischen Forderung auch eine konkrete Umsetzung wird“, sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

Strom trägt in Deutschland schon heute weit mehr Steuern und Abgaben als Gas. Haushalte zahlen je Kilowattstunde Strom rund 12,6 Cent Steuern, Abgaben und Umlagen, auf Gas 3,6 Cent, so die Denkfabrik Ember. Ein Gutachten der Stiftung Klimaneutralität kommt zu dem Schluss, dass dieses Verhältnis den Umstieg auf Wärmepumpe und Elektroauto bremst.

Beim Gas schlägt der Iran-Krieg durch, nicht die Netzgebühr

Auch die Gasnetzentgelte steigen 2027, im Schnitt um rund drei Prozent. Ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch zahlt dafür rechnerisch rund 19 Euro mehr im Jahr. Am stärksten steigen die Gasnetzentgelte in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg.

Für die Heizkosten haben die Netzgebühren allerdings „im Vergleich zu den explodierten Großhandelspreisen geringen Einfluss“, wie Storck einordnet. Verivox erwartet zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, mit denen die Gasversorger ihre höheren Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben. Je nach Tarif rechnet er mit zehn bis 20 Prozent.

Die Großhandelspreise für Gas sind deutlich gestiegen, seit Donald Trump Ende Februar den Angriff auf den Iran befahl. Die Krise um die Straße von Hormus trifft Europa als Importeur von Öl und Gas direkt. Seit Kriegsbeginn hat die EU mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich für fossile Importe ausgegeben. Diese Marke nannte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen Ende September beim Treffen der EU-Energieminister.

Für Haushalte mit Gasheizung ist das bitter. Ihre Heizkosten hängen an Weltmarktpreisen, die mit einem Krieg am Persischen Golf ausschlagen, weit weg von der eigenen Haustür und ohne jeden eigenen Einfluss. Wer mit Gas heizt, sitzt unfreiwillig im fossilen Casino. Und ganz Europa zahlt für eine Entscheidung, die in Washington gefallen ist.

Heizkosten runter: Was ein Heiztag wirklich spart

Kurzfristig hilft es, die Heizung möglichst spät in der Saison anzustellen. Verivox hat das für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern, Effizienzklasse D und 20.000 Kilowattstunden Gasverbrauch durchgerechnet. Wer dort einen Tag nicht heizt, spart:

  • mit Gasheizung fünf bis sieben Euro
  • mit Ölheizung sechs bis neun Euro
  • mit Wärmepumpe drei bis vier Euro

Für den ganzen Oktober kommen mit Gas rund 177 Euro zusammen, mit Wärmepumpe rund 113 Euro. Die Ersparnis entspricht den Heizkosten eines Tages. In der Musterrechnung heizt die Wärmepumpe also gut ein Drittel günstiger als die Gasheizung.

„Trotzdem sollte niemand frieren müssen“, sagt Storck. Gerade ältere Menschen und Kinder reagierten empfindlich auf niedrige Raumtemperaturen. Dauerhaft unter 15 bis 16 Grad sollte es in der Wohnung auch wegen Schimmelgefahr nicht werden.

Wie Haushalte sich jetzt unabhängiger machen können

Nahaufnahme eines Gasherds mit blauen Flammen in einer dunklen Küche

Wer kann, sollte über einen Heizungstausch nachdenken. Er ist der wirksamste Weg, die eigenen Heizkosten von den Ausschlägen am Gasmarkt zu lösen. Was eine Wärmepumpe kostet, wie sie sich im Altbau schlägt und warum die Heizkörper meist bleiben können, lässt sich vorab gut klären.

Beim Strom können auch Mieterinnen und Mieter etwas tun. Ein Balkonkraftwerk, auf Wunsch mit Speicher, deckt einen Teil des eigenen Verbrauchs mit Solarstrom. Wer ein eigenes Dach hat, kann mit einer Photovoltaikanlage deutlich mehr selbst erzeugen. Und wer noch in der Grundversorgung steckt, kann in einen regulären Ökostromtarif wechseln, der in der Regel günstiger ist.

Die fossile Krise zieht auch den Strompreis nach oben, und das liegt an der Preisbildung an der Strombörse. Dort bestimmt das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, den Preis für alle. In vielen Stunden ist das ein Gaskraftwerk. Teures Gas hebt deshalb auch die Börsenstrompreise.

Wer sich jetzt unabhängiger aufstellen will, hat mehrere Hebel:

  • Heizungstausch auf Wärmepumpe als wirksamster Schritt gegen Gaspreis-Ausschläge
  • Balkonkraftwerk mit Speicher für mehr Eigenverbrauch in der Mietwohnung
  • Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach für Hausbesitzer
  • Wechsel aus der Grundversorgung in einen regulären Ökostromtarif

Je mehr Strom aus Wind und Sonne kommt und je mehr Heizungen, Autos und Fabriken elektrisch laufen, desto weniger Gas muss Europa importieren. Und desto seltener setzt Gas den Preis an der Strombörse. Das ist kein Zufall, sondern der Punkt, an dem Klimaschutz und Portemonnaie in dieselbe Richtung laufen.

Mein Fazit

2027 wird kein günstiges Energiejahr. Die Netzentgelte beim Strom steigen, weil der Bund seine Zuschüsse kürzt. Das ist ärgerlich, aber überschaubar, ein paar Euro im Monat für die meisten Haushalte. Richtig teuer wird es für alle, die mit Gas heizen. Hier schlägt ein Krieg durch, der am Persischen Golf geführt wird, und die Versorger werden die höheren Beschaffungspreise mit Aufschlägen von zehn bis 20 Prozent weitergeben.

Die einzig ehrliche Antwort auf diese Lage heißt: sich unabhängig machen. Wärmepumpe statt Gasheizung, Solarstrom auf dem Dach oder dem Balkon, und bei der Stromsteuer-Senkung politisch Druck machen, damit aus dem Koalitionsversprechen endlich ein Datum wird. Wer jetzt in eigene Erzeugung investiert, entkoppelt seine Rechnung vom fossilen Casino. Das ist nicht bequem, aber es ist die einzige Strategie, die gegen Krieg, Börse und Bundeshaushalt gleichzeitig hilft.

Häufige Fragen

Warum steigt der Strompreis 2027, obwohl der Bund spart?

Der Bund senkt seinen Zuschuss zu den Übertragungsnetzen von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro. Diese Lücke legen die Netzbetreiber auf die Netzentgelte um, weshalb das Übertragungsnetzentgelt von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde netto steigt.

Wie viel könnten Haushalte durch die Stromsteuer-Senkung sparen?

Verivox-Berechnungen zufolge würde eine Senkung von 2,05 auf das EU-Minimum von 0,1 Cent je Kilowattstunde den Durchschnittspreis von 34,36 auf 32,04 Cent je Kilowattstunde drücken. Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden würde rund 93 Euro im Jahr sparen.

Wie stark steigen die Gaspreise 2027?

Verivox erwartet zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, mit denen die Gasversorger ihre höheren Beschaffungskosten weitergeben. Je nach Tarif rechnet der Vergleichsdienst mit Steigerungen von zehn bis 20 Prozent.

Lohnt sich eine Wärmepumpe gegen die steigenden Gaspreise?

In der Verivox-Musterrechnung heizt eine Wärmepumpe rund ein Drittel günstiger als eine Gasheizung. Für den Oktober fallen beim freistehenden Einfamilienhaus mit Gas rund 177 Euro an, mit Wärmepumpe rund 113 Euro.

Quelle: cleanthinking.de. Stand: 18.10.2026.
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