Eine Wärmepumpe ist meist der größte Einzelverbraucher im Haus — und damit der Punkt, an dem sich ein dynamischer Stromtarif entscheidet. Ob er sich lohnt, hängt an drei Dingen: Jahresarbeitszahl, Speichermasse und der Frage, ob deine Anlage unter § 14a EnWG fällt.
Wie viel Strom eine Wärmepumpe wirklich zieht
Der Verbrauch ergibt sich aus dem Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl (JAZ). Luft-Wasser-Geräte erreichen in der Praxis JAZ 3,0 bis 4,0, Sole-Wasser-Anlagen 4,0 bis 5,0. Ein saniertes Einfamilienhaus um 140 m² landet damit typischerweise bei 4.000 bis 5.500 kWh Heizstrom im Jahr. Zum Einordnen: Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag laut BDEW im April 2026 bei 37,0 ct/kWh. Bei 5.000 kWh sind das rund 1.850 Euro allein fürs Heizen — jeder Cent Arbeitspreis schlägt hier spürbar durch.
§ 14a EnWG: die Grundvoraussetzung
Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gegangen sind, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf sie bei drohender Netzüberlastung auf 4,2 kW drosseln — komplett abschalten darf er nicht. Im Gegenzug bekommst du reduzierte Netzentgelte, wahlweise in einem von drei Modulen.
Wärmepumpentarif oder dynamischer Tarif?
Klassische Wärmepumpentarife über einen separaten Zähler liegen 2026 grob bei 20 bis 26 ct/kWh und damit deutlich unter Haushaltsstrom. Ein dynamischer Tarif gewinnt gegen diesen Startvorteil nur, wenn du den Verbrauch aktiv in die günstigen Stunden verschiebst. Genau das gelingt bei einer Wärmepumpe besser als bei fast jedem anderen Gerät: Estrich, Puffer- und Warmwasserspeicher halten Wärme über Stunden. Ohne Speichermasse und ohne automatische Steuerung bleibt vom Vorteil dagegen wenig übrig.
Wann sich die Umstellung rechnet
Was du vorher klären solltest
- Hast du einen separaten Wärmepumpenzähler oder eine Kaskadenmessung? Das entscheidet darüber, ob Modul 2 überhaupt infrage kommt.
- Läuft bereits ein intelligentes Messsystem? Für dynamische Tarife ist es Voraussetzung — mehr dazu auf unserer Seite Smart Meter.
- Kann deine Regelung Preissignale verarbeiten (SG Ready, EEBus, Hersteller-App oder Anbieter-Schnittstelle)?
- Wie groß ist der Pufferspeicher? Unter rund 200 Litern ist der Verschiebespielraum klein.
- Welche Sperr- und Taktvorgaben macht der Hersteller? Häufiges Anfahren kostet Effizienz und kann Garantien berühren.
Zum rechtlichen Rahmen daneben: Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) anstelle des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes, die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen ist entfallen. Für die Tarifentscheidung ändert das nichts — die Förderung über die KfW besteht weiter, die Konditionen wurden im Juli 2026 angepasst.
Nächster Schritt
Rechne zuerst mit deinem echten Heizstromverbrauch, nicht mit dem Haushaltsverbrauch. Danach vergleiche zwei bis drei Anbieter mit Blick auf Steuerbarkeit und Grundgebühr.
Wärmefenster: Technik vor Tarifversprechen
Entscheidend ist nicht nur der niedrigste Stundenpreis. Einsparungen entstehen, wenn größere flexible Lasten zuverlässig in günstige Zeitfenster wandern.
Gebäude, Speicherfähigkeit und Heizkurve bestimmen den Spielraum. Der Tarif ist nur ein Teil der Optimierung; Komfort und Anlageneffizienz bleiben die Grenzen.