Das Wichtigste in Kürze
- Fiat plant neuen Elektro-Kleinwagen mit möglichem Namen Koala
- Angestrebter Preis: rund 15.000 Euro
- Technische Basis geteilt mit neuem Citroën 2CV
- Produktion ab 2028 im Werk Pomigliano d'Arco
- Keine bestätigten Angaben zu Akku, Leistung und Reichweite
Ein neues Elektroauto für rund 15.000 Euro, gebaut in Italien, entwickelt auf einer Plattform, die gleich mehrere Hersteller nutzen. Fiat arbeitet offenbar an einem besonders günstigen Kleinwagen, der intern möglicherweise Koala heißen wird. Das ist mehr als ein weiteres Nischenmodell. Es ist ein direkter Angriff auf das Einstiegssegment, in dem die europäischen Hersteller den Anschluss an günstige Stromer verloren haben.
Was hat der Fiat Koala mit der Ente zu tun?

Fiat-Chef Arnauld Belloni hat auf dem Pariser Autosalon bestätigt, dass die Marke an mehreren Fahrzeugen auf der neuen E-Car-Plattform von Stellantis arbeitet. Darunter ist ein besonders kleiner Stromer, der sich die technische Basis mit dem ebenfalls neuen Citroën 2CV teilen soll. Im Französischen wird der 2CV liebevoll „Ente“ genannt, daher der Vergleich.
Beide Modelle sollen 2028 als Serienfahrzeuge erscheinen. Designchef François Leboine erklärte gegenüber dem britischen Fachmagazin Autocar, dass der Entwurf ungefähr denselben Entwicklungsstand erreicht habe wie der in Paris gezeigte Citroën 2CV. Trotzdem habe Fiat auf eine gleichzeitige Präsentation verzichtet. Das neue Modell solle zu einem geeigneteren Zeitpunkt gezeigt werden.
Das bedeutet konkret: Die Form steht wahrscheinlich schon weitgehend fest, nur der passende Marketing-Moment fehlt noch. Wer den Koala erstmals sehen will, muss sich also auf das nächste oder übernächste Jahr gedulden, falls Fiat nicht doch noch eine Überraschung aus dem Hut zaubert.
Warum 15.000 Euro das Spiel verändern
Der angestrebte Einstiegspreis liegt bei rund 15.000 Euro. Stellantis-Chef Antonio Filosa hat gegenüber dem belgischen Portal Autonieuws bestätigt, dass mehrere Modelle auf Basis der neuen Plattform mit Preisen um 15.000 Euro entstehen sollen.
Zum Vergleich: Das aktuelle Fiat-Portfolio im Elektrosegment startet deutlich höher.
- Fiat 500 Elektro: ab 25.990 Euro
- Grande Panda Elektro: ab 25.990 Euro
- Fiat Koala (geplant): rund 15.000 Euro
Damit bewegt sich die Marke in eine Preisklasse, die aktuell vor allem von kommenden Modellen anderer europäischer Hersteller sowie chinesischen Wettbewerbern besetzt wird. Fiat tritt also in einen Markt ein, in dem bereits um jeden Euro Kompromiss gekämpft wird.
Ob das Preisziel ohne deutliche Einschränkungen bei Reichweite, Ausstattung und Alltagstauglichkeit tatsächlich erreichbar ist, wird sich erst am Serienmodell zeigen. Die Antwort hängt auch an den geplanten europäischen E-Car-Regelungen für besonders kompakte und erschwingliche Elektroautos, die Entwicklungskosten senken und das stark geschrumpfte Einstiegssegment wiederbeleben sollen.
Tiernamen, Plattform und ein neues Werk in Italien
Fiat hat sich die Bezeichnung Koala bereits schützen lassen. Damit würde die Marke ihre neue Vorliebe für Tiernamen fortsetzen. Neben dem Panda und dem größeren Grizzly würde künftig ein Koala zum Modellprogramm gehören. Ob das neue Elektroauto tatsächlich so heißen wird, steht allerdings noch nicht final fest.
Spannender als die Namensfrage ist die Plattformstrategie. Stellantis hat angekündigt, ab 2028 kleine Elektroautos der neuen E-Car-Familie im italienischen Werk Pomigliano d’Arco zu produzieren. Nach Informationen der italienischen Fachzeitschrift Quattroruote dürfte auch der neue Fiat dort gebaut werden.
Die Bündelung mehrerer Modelle auf einer Plattform und in einem Werk ist klassische Skalenökonomie. Entwicklung, Einkauf und Produktion verteilen sich auf mehr Fahrzeuge, die Stückkosten sinken. Genau diese Logik haben viele europäische Hersteller in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt, weshalb kleine E-Autos hierzulande oft so teuer sind.
Retro wie Citroën oder praktisch wie der alte Panda?
Der neue Citroën 2CV, in Paris als Studie gezeigt, ist 3,76 Meter lang und soll rund eine Tonne wiegen. Der neue Fiat könnte sich bei seinen Abmessungen in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Damit wäre er ein klassischer Kleinwagen im unteren Längensegment, nicht viel größer als ein heutiger Fiat 500.
Anders als Citroën plant Fiat beim Koala aber offenbar keine ausgeprägte Retro-Neuauflage. Der elektrische Kleinwagen soll die praktischen Qualitäten des ursprünglichen Panda aufgreifen und zeitgemäß interpretieren. Als mögliche gestalterische Inspiration gilt die kantige Kleinwagenstudie Ippo, die im Rahmen eines italienischen Designwettbewerbs entstanden ist. Rückschlüsse auf das endgültige Erscheinungsbild lässt sie allerdings bislang nicht zu.
Wer mit dem ursprünglichen Panda vor allem Platz auf kleinem Raum und einfache Alltagstauglichkeit verbindet, liegt also richtig. Wer eine Hommage an die späten 1970er erwartet, wird eher beim Citroën 2CV fündig.
Was noch offen ist: Akku, Reichweite, Alltag

Zu Batteriegröße, Leistung und Reichweite des Koala gibt es bislang keine bestätigten Angaben. Das ist die größte Unbekannte in der ganzen Rechnung. Ein Auto für 15.000 Euro muss irgendwo sparen. Die Frage ist nur, an welchen Stellschrauben Stellantis drehen wird:
- Akkugröße: Eine kleine Batterie senkt den Preis, schränkt aber die Reichweite ein.
- Leistung: Ein einfacher E-Motor mit moderater Leistung ist günstiger als ein starker Antrieb.
- Ausstattung: Reduzierte Serienausstattung spart Kosten, kann aber Käufer abschrecken.
- Produktion: Hohe Stückzahlen in einem bestehenden Werk wie Pomigliano d’Arco senken die Stückkosten.
Zugleich würde Fiat mit einem Koala in dieser Preisklasse stärker mit den kommenden günstigen Elektroautos von Renault und anderen europäischen Herstellern sowie chinesischen Wettbewerbern konkurrieren. Das Wettbewerbsumfeld ist also alles andere als gemütlich. Wer hier bestehen will, muss liefern, nicht nur ankündigen.
Mein Fazit
Der Koala ist für mich die ehrlichere Antwort auf die Frage, was ein E-Auto in Europa kosten darf, als viele politisch motivierten Ankündigungen der letzten Jahre. Kein Wunder, dass die europäische Regulierung in diese Richtung läuft. Was bringt ein E-Auto, das sich kein normaler Haushalt leisten kann?
Fiat macht hier vieles richtig: bestehende Plattform, bestehendes Werk, etablierte Marke, klares Namensschema und ein Preis, der nicht nach Marketing klingt, sondern nach Kalkulation. Ob daraus tatsächlich ein alltagstaugliches Auto wird, hängt an den Zahlen, die Fiat noch nicht nennen will. Aber die Richtung stimmt. Wer ohnehin mit dem Gedanken spielt, den Zweitwagen oder den Erstwagen elektrisch zu machen, sollte den Koala auf dem Zettel haben. 2028 klingt weit weg, ist in der Autobranche aber ein Wimpernschlag.
Häufige Fragen
Was ist der Fiat Koala?
Der Fiat Koala ist ein geplanter elektrischer Kleinwagen auf der neuen E-Car-Plattform von Stellantis, der sich die technische Basis mit dem neuen Citroën 2CV teilen soll. Der Name ist bereits als Marke eingetragen, aber noch nicht final bestätigt.
Was soll der Fiat Koala kosten?
Der angestrebte Preis liegt bei rund 15.000 Euro. Das hat Stellantis-Chef Antonio Filosa gegenüber dem belgischen Portal Autonieuws bestätigt.
Wann erscheint der Fiat Koala?
Der Fiat Koala soll ab 2028 als Serienmodell erscheinen, gemeinsam mit dem Citroën 2CV und weiteren Fahrzeugen auf der neuen E-Car-Plattform.
Wo wird der Fiat Koala gebaut?
Der Fiat Koala soll im italienischen Stellantis-Werk Pomigliano d’Arco gebaut werden, in dem ab 2028 die neue E-Car-Familie vom Band laufen soll. Das berichtet die italienische Fachzeitschrift Quattroruote.