Das Wichtigste in Kürze
- Strabag erprobte in Oberhausen elf elektrische Baumaschinen im Realbetrieb
- Ein 25-Tonnen-Bagger, Radlader, Autokran und Straßenfertiger liefen am Strom
- Ein 153-kWh-Batteriespeicher gepuffert mit Grünstrom versorgte die Maschinen
- Die Energiekosten lagen rund 90 Prozent unter einem vergleichbaren Dieselbetrieb
- Rund 18 Tonnen CO2 sparte das Projekt rechnerisch ein
Ein 25-Tonner, der leise über eine Asphaltfläche rollt, statt zu qualmen. Ein Autokran, der Betonschächte hebt, gespeist aus einem Batteriespeicher auf der Baustelle. Klingt nach einer Szene aus einem Klima-Prospekt, ist aber Realität auf einem Strabag-Gelände in Oberhausen. Der Kölner Baukonzern hat den Umbau seiner Bodenaufbereitungsanlage kurzerhand zur ersten teilelektrischen Baustelle unter realen Bedingungen umfunktioniert. Elf elektrische Baumaschinen kamen gleichzeitig zum Einsatz, vom schweren Bagger bis zum Straßenfertiger. Das Ergebnis verschiebt die Debatte über elektrisches Bauen ein Stück weit weg von Hochglanz-Broschüren und hin zu dem, was auf der Fläche tatsächlich funktioniert.
Was Strabag in Oberhausen konkret gebaut hat

Im Kern ging es um ein handfestes Ausbauprojekt, nicht um eine Inszenierung. Die zulässige Input-Menge der Anlage steigt von 120.000 auf 350.000 Tonnen pro Jahr. Auf einer Fläche von rund 17.600 Quadratmetern standen Rückbau, Erd-, Tiefbau und Asphaltarbeiten an. Rund 20.000 Tonnen Material aus dem Rückbau wurden aufbereitet und direkt wieder als Recycling-Unterbau eingebaut. Die neue Aufbereitungsfläche umfasst rund 7.400 Quadratmeter mit zweilagigem Asphalt, deren Tragschicht und Frostschutzschicht aus Recyclingmaterial bestehen. Hinzu kommen rund 128 Meter neu verlegte PVC-Rohrleitungen für die Oberflächenentwässerung.
Das ist kein Pilot im Labor, sondern eine Baustelle, die nach dem Bau auch dauerhaft Material verarbeiten soll. Genau deshalb ist der Strabag-Versuch für dich als Leser interessant: Hier muss eine Maschine unter echten Lastspitzen, mit echtem Dreck und echtem Zeitdruck funktionieren, nicht nur auf einem Messestand.
Die Maschinen im Überblick
- Ein 25-Tonnen-Bagger, elektrisch angetrieben
- Ein elektrischer Radlader, im Bild der Liebherr L 507 E
- Ein elektrischer Autokran, der unter anderem zwei Fertigteil-Betonschächte mit integrierten Lamellenklärern versetzte
- Ein elektrisch betriebener Straßenfertiger
- Sieben weitere elektrische Baumaschinen, insgesamt elf Geräte
Wer hat eigentlich vor der Baustelle Diesel getankt?
Eine typische Großbaustelle dieser Größenordnung wäre bisher eine reine Diesel-Veranstaltung. Hydraulikbagger, Radlader, Kran, Fertiger, Lkw für Materialtransporte, alles läuft mit Verbrennungsmotor, alles verbraucht pro Schicht ordentlich Kraftstoff. Genau hier setzt das Strabag-Projekt an: Nicht eine Maschine wird ersetzt, sondern eine ganze Gewerke-Kette gleichzeitig. Der Anteil der elf E-Geräte an der gesamten Maschinenflotte ist dabei nicht beziffert, klar ist aber, dass die schwersten und energieintensivsten Geräte darunter sind.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil viele bisherige Pilotprojekte sich auf kleine Geräte wie Minibagger oder Verdichtungsplatten konzentrieren. In Oberhausen stand ein echtes Schwergewicht am Netz. Dass ausgerechnet dieser 25-Tonnen-Bagger elektrisch lief, ist das eigentlich überraschende Element der Meldung, nicht die elf Geräte an sich.
Wie versorgt man einen Kran auf der Baustelle mit Strom?
Eine Baustelle hat keine Steckdose in der Wand. Damit die Maschinen zuverlässig liefen, installierte Strabag einen mobilen Batteriespeicher mit 153 Kilowattstunden Kapazität, gespeist mit Grünstrom. Der Speicher glättet Lastspitzen, wenn etwa der Autokran einen schweren Betonschacht anhebt oder der Bagger gleichzeitig Material bewegt. Ohne diesen Puffer würden die Maschinen entweder das Netz überlasten oder unterdimensioniert arbeiten.
Was du dir darunter vorstellen kannst: Der Speicher ist in etwa so groß dimensioniert wie ein Heimspeicher für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und E-Auto, nur eben mobil und auf einer Baustelle im Dauerbetrieb. Die Kapazität klingt nach nicht viel, reicht aber, weil schwere E-Geräte im Schnitt sehr effizient arbeiten und der Speicher nur Spitzen abfangen muss, nicht die Grundlast tragen.
Was bringt die elektrische Baustelle wirtschaftlich?
Die zentrale Kennzahl aus Oberhausen: Die Energiekosten lagen rund 90 Prozent unter denen eines vergleichbaren Dieselbetriebs. Hinzu kommen niedrigere Wartungs- und Betriebskosten, weil E-Maschinen weniger Verschleißteile haben. Rechnerisch sparte das Projekt rund 18 Tonnen CO2 ein. Die höheren Anschaffungskosten der Geräte werden dadurch nach Strabag-Einschätzung teilweise kompensiert.
Hier lohnt sich ein ehrlicher Hinweis, den das Fachmedium ingenieur.de anbringt: Strabag legt seine Berechnungsgrundlage nicht offen. Angaben zu Energiepreisen, Verbrauchswerten und Vergleichszeiträumen fehlen, ebenso zu Anschlussleistung und Ladezyklen des Speichers. Die Größenordnung passt allerdings zu dem Kostenvorteil, den elektrische Antriebe gegenüber Verbrennern ausspielen, von der Wärmepumpe bis zum E-Lkw. Du solltest die 90 Prozent also als Richtungswert lesen, nicht als bilanzierten Endpreis.
Die Kennzahlen der Baustelle
| Kennzahl | Wert |
| Input-Menge nach Ausbau | 350.000 Tonnen pro Jahr |
| Input-Menge vorher | 120.000 Tonnen pro Jahr |
| Geländefläche | 17.600 Quadratmeter |
| Elektrische Baumaschinen | 11 |
| Mobiler Batteriespeicher | 153 kWh |
| Energiekosten-Ersparnis | ca. 90 Prozent |
| CO2-Einsparung | ca. 18 Tonnen |
Warum Oberhausen trotzdem keine vollelektrische Baustelle war

Ein wichtiger Punkt, der in vielen Berichten untergeht: Oberhausen war kein hundertprozentiger E-Betrieb. Um im Zeitplan zu bleiben, ergänzte Strabag konventionelle Maschinen, die vollständig mit dem erneuerbaren Dieselersatz HVO100 liefen, ebenso wie die Logistikfahrzeuge. HVO100 ist ein paraffinischer Kraftstoff aus hydrierten Pflanzenölen und Abfällen, der die CO2-Bilanz gegenüber fossilem Diesel deutlich verbessert, aber eben kein Strom.
Das zeigt die ehrliche Grenze des Versuchs: Elektrische Baumaschinen sind noch nicht in jeder Größe und überall verfügbar, und die Ladeinfrastruktur lässt sich je nach Einsatzort nur begrenzt aufbauen. Auf einer Innenstadt-Baustelle mit beengtem Bauraum und fehlendem Netzanschluss sieht die Rechnung schnell anders aus. Genau deshalb ist der Hybridansatz aus E plus HVO100 der ehrlichere Pfad als das Hochglanz-Versprechen, eine ganze Baustelle komplett elektrisch zu betreiben.
Was die Branche aus dem Versuch mitnehmen kann
- Die schweren E-Geräte erreichen laut Strabag ein Leistungsniveau vergleichbar mit Diesel
- Weniger Lärm und keine direkten Abgase am Einsatzort verändern die Arbeit auf der Fläche spürbar
- Ein mobiler Speicher mit Grünstrom reicht, um Lastspitzen zuverlässig zu puffern
- Die Anschaffungskosten bleiben höher, Betrieb und Wartung günstiger
- Material aus dem Rückbau kann direkt wieder als Unterbau verwendet werden
Was bedeutet das für dich als Haushalt oder Bauherr?
Auf den ersten Blick wirkt das Thema weit weg von deinem eigenen Zuhause. Auf den zweiten Blick nicht. Wenn eine Strabag-Bodenaufbereitung mit elf E-Maschinen 90 Prozent Energiekosten gegenüber Diesel einspart und das nicht im Labor, sondern auf einer echten Großbaustelle, dann verändert das die Preislogik für viele Bauvorhaben, die in deiner Nachbarschaft laufen. Kommunale Tiefbauämter, Versorger, Recyclingbetriebe schauen sehr genau auf solche Zahlen, weil ihre eigenen Maschinenparks noch überwiegend dieselbetrieben sind.
Außerdem ist die Baustelle ein Testfall für genau die Infrastruktur, die auch bei dir zu Hause gebraucht wird: mobile Stromspeicher, die Lastspitzen abfangen, eine Ladeinfrastruktur, die ohne festen Netzanschluss auskommt, und ein Zusammenspiel von Maschine, Speicher und Grünstrom. Robert Kucza von der Strabag-Direktion Nordrhein-Westfalen bringt es auf den Punkt: Echte Erfahrungen auf der Baustelle überzeugen mehr als jede Theorie. Wenn du also das nächste Mal eine Baugrube mit einem Bagger ohne Auspuff siehst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendwo auf dem Gelände ein 153-kWh-Speicher steht.
Mein Fazit
Strabag liefert mit dem Oberhausen-Projekt die bislang ehrlichste Bestätigung dafür, dass elektrisches Bauen im Schwergewicht funktioniert. Elf Maschinen gleichzeitig, ein 25-Tonner inklusive, ein Speicher mit Grünstrom, 90 Prozent Energiekosten gegenüber Diesel, rund 18 Tonnen CO2 weniger. Das ist keine Vision mehr, sondern eine ausgeführte Bilanz, auch wenn Strabag die Berechnungsgrundlage nicht vollständig offenlegt und ingenieur.de genau darauf hinweist. Für die Branche ist das ein klares Signal: Die Technik ist da, der Rest ist Verfügbarkeit und Netzanschluss.
Meine Einschätzung geht über den Quelltext hinaus: Wenn ein Konzern wie Strabag das in einem realen Ausbauprojekt durchzieht, dann wird die Frage nicht mehr sein, ob schwere E-Baumaschinen funktionieren, sondern wie schnell die Hersteller nachziehen und wie schnell Bauherren bereit sind, den höheren Anschaffungspreis zu akzeptieren. Der Hybrid aus E plus HVO100 ist dabei genau das, was man ehrlicherweise erwarten musste, eine Übergangslösung mit klarer Richtung. Wer jetzt noch behauptet, elektrisches Bauen sei nicht mehr als ein Marketing-Versprechen, hat in Oberhausen schlechte Karten.
Häufige Fragen
Wie viele E-Baumaschinen hat Strabag in Oberhausen eingesetzt?
Strabag hat auf der teilelektrischen Baustelle in Oberhausen elf elektrisch betriebene Baumaschinen gleichzeitig im Realbetrieb eingesetzt, darunter ein 25-Tonnen-Bagger, ein Radlader, ein Autokran und ein Straßenfertiger.
Wie hoch war die Energiekosten-Ersparnis auf der Strabag-Baustelle?
Die Energiekosten lagen in Oberhausen rund 90 Prozent unter denen eines vergleichbaren Dieselbetriebs. Strabag legt seine Berechnungsgrundlage allerdings nicht offen, die Angaben zu Energiepreisen, Verbrauchswerten und Vergleichszeiträumen fehlen.
Wie wurde die elektrische Baustelle mit Strom versorgt?
Strabag installierte einen mobilen Batteriespeicher mit 153 Kilowattstunden Kapazität, gespeist mit Grünstrom. Der Speicher puffert die Lastspitzen der Maschinen wie Bagger, Autokran und Straßenfertiger.
War die Strabag-Baustelle in Oberhausen komplett elektrisch?
Nein, Oberhausen war eine teilelektrische Baustelle. Konventionelle Maschinen und Logistikfahrzeuge wurden zusätzlich mit dem erneuerbaren Dieselersatz HVO100 betrieben, um den Zeitplan einzuhalten.