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Ratgeber

Solar-E-Auto BMW Luminetta: mehr Strom als verbraucht

Solar-E-Auto BMW Luminetta: mehr Strom als verbraucht

Das Wichtigste in Kürze

  • Deep Orange 17 ist ein solarbetriebener Prototyp der Clemson University mit BMW
  • Über 1700 kleine PV-Module sind direkt in die Fahrzeugoberflächen integriert
  • Bei 20 Kilometern Pendelstrecke liefert das Auto rund 50 Kilometer zusätzliche Reichweite
  • Das Fahrzeug wiegt nur etwa 550 Kilogramm, also rund ein Viertel vergleichbarer Serienautos
  • Aerodynamik, Leichtbau und Rekuperation sollen die Energiebilanz positiv machen

Ein Auto, das mehr Strom erzeugt, als es zum Fahren braucht: Geht das wirklich?

Frau Anfang 30 mit kurzen Haaren und beigem Mantel schließt ein E-Auto an einer modernen Ladestation an

Klingt erstmal nach Marketingversprechen, ist aber das Ergebnis einer zweijährigen Masterstudentenarbeit. Studierende der Clemson University in den USA haben gemeinsam mit dem Forschungs- und Entwicklungsteam von BMW einen Prototypen gebaut, der bei einem typischen Pendlertag mehr Energie erzeugt als verbraucht. Das Fahrzeug trägt den Namen Deep Orange 17 und wurde am 6. August 2026 offiziell vorgestellt. Der Modellname Luminetta spielt auf die Solarenergiefähigkeit und das retro-moderne Design an.

Was hier nach einem Laborprojekt klingt, hat durchaus Alltagsbezug. BMW hatte die Studierenden im Herbst 2024 herausgefordert, eine ehrgeizige Frage neu zu denken: Könnte ein Fahrzeug mehr Energie erzeugen, als es beim normalen Pendeln verbraucht? Herausgekommen ist ein zweitüriges Coupé, das konsequent auf Effizienz getrimmt wurde, ohne komplett auf Fahrfreude zu verzichten.

Wie schafft es das Solar-E-Auto, energiepositiv zu fahren?

Der Ansatz ist konsequent: Solarenergie ist nicht Zusatzfeature, sondern Kern der Antriebsstrategie. Über 1700 kleine PV-Module sind direkt in die äußeren Oberflächen des Fahrzeugs integriert. Sie arbeiten sowohl im Stand als auch während der Fahrt, also immer dann, wenn Licht auf die Karosse trifft. Praktisch heißt das: Du kannst das Auto in der Sonne parken und es sammelt Strom, oder im Stau stehen und es lädt sich weiter auf.

Die Panele wurden in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solarenergiesysteme ISE entwickelt. Eine Besonderheit: Sie erzeugen auch dann Energie, wenn Teile der Panels beschattet sind. Das ist im Alltag relevant, weil Schatten durch Bäume, Häuser oder andere Fahrzeuge eher die Regel als die Ausnahme ist. Eine langlebige Schutzschicht wird per Laserprozess eingefärbt, damit die Module zur Optik des Fahrzeugs passen.

Pendelstrecke versus Solarertrag

Die Studierenden haben das Verhalten nicht in einem standardisierten Fahrzyklus simuliert, sondern in vier realen Städten: Greenville in South Carolina, Frankfurt in Deutschland, Madrid in Spanien und Mumbai in Indien. Bei einer täglichen Fahrstrecke von 20 Kilometern erzeugte das Fahrzeug im Schnitt genug überschüssige Solarenergie für rund 50 Kilometer zusätzliche Reichweite. Das heißt: Die Energie reicht für die gefahrene Strecke plus ein deutliches Plus, das entweder als Reichweite oder als Einspeisung ins Netz genutzt werden kann.

  • Modell: Deep Orange 17 / Luminetta, Coupé, zweitürig
  • PV-Module: über 1700 Stück, in alle Außenflächen integriert
  • Teststandorte: Greenville, Frankfurt, Madrid, Mumbai
  • Pendelstrecke: 20 Kilometer pro Tag im Modell
  • Überschuss: rund 50 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag

Warum Leichtbau und Aerodynamik den Unterschied machen

Solarstrom allein bringt wenig, wenn das Auto selbst zu viel Energie frisst. Deshalb haben die Studierenden das gesamte Fahrzeug auf Effizienz getrimmt. Der Wagen wiegt nur etwa 550 Kilogramm und damit ungefähr ein Viertel dessen, was ähnlich große Serienfahrzeuge auf die Waage bringen. Möglich wird das durch ein mehrschichtiges Chassis aus Strukturstahl für die Sicherheit, Aluminiumbauteilen, Kohlefaser-Strukturelementen und 3D-gedruckten Metallverbindungen.

Das Design orientiert sich am Kugelfisch. Der hat eine stromlinienförmige Form, die den Luftwiderstand verringert und gleichzeitig das Innenvolumen erhält. Das Ergebnis ist eine Außenlinie, die laut Mitteilung „gewöhnungsbedürftig“ ausfällt, aerodynamisch aber funktioniert. Hinzu kommen eine Rekuperationsbremse, eine intelligente Drehmomentverteilung und eine optimierte Antriebssteuerung. So soll möglichst viel Energie zurückgewonnen und die Gesamtfahrzeugleistung verbessert werden.

Was das für E-Autofahrer in Deutschland bedeutet

Deutsche Autofahrer parken ihre Fahrzeuge im Schnitt mehr als 23 Stunden am Tag. Das ist eine enorme Standzeit, die sonst ungenutzt bleibt. Bei einem Serienfahrzeug mit ähnlicher PV-Integration wäre genau diese Standzeit die Ladezeit. Wer das Auto tagsüber auf dem Firmenparkplatz, im Wohngebiet oder in der Tiefgarage mit Tageslicht abstellt, würde kontinuierlich Energie tanken, ohne eine Wallbox oder eine öffentliche Ladestation anzusteuern.

Dazu kommt ein Aspekt, der in der Debatte oft zu kurz kommt: Wer weniger wiegt, verbraucht weniger Energie pro Kilometer. Ein typisches E-Auto der Kompaktklasse liegt heute weit über 550 Kilogramm, schon allein wegen der Batterie. Wenn durch konsequenten Leichtbau und effiziente Aerodynamik der Verbrauch sinkt, reicht eine kleinere Batterie für die gleiche Reichweite. Das spart Gewicht, Kosten und Rohstoffe.

Bidirektionales Laden, Smart Meter und die offene Frage

Luftaufnahme eines großen Solarparks in der deutschen Landschaft mit geometrisch angeordneten Photovoltaik-Modulen

Spannend wird es, wenn man das Solar-E-Auto in ein größeres Energiesystem einbettet. Bidirektionales Laden, also das Einspeisen des Akkus ins Haus oder ins Netz, ist aktuell eines der großen Themen für E-Autofahrer mit Eigenheimen und Wallbox. Theoretisch könnte ein energiepositives Fahrzeug tagsüber Strom ernten, ihn im Auto speichern und abends als Pufferspeicher für die Wärmepumpe oder das Hausnetz dienen.

Ob Deep Orange 17 selbst bidirektional laden kann, sagt die Quelle nicht. Der Prototyp soll auf der Consumer Electronics Show 2027 in Las Vegas gezeigt werden. Bis dahin bleibt offen, wie groß der Akku ist, welche Ladeleistung das System hat und welche Wechselrichter- oder Smart-Meter-Integration geplant ist. Wer heute schon überlegt, wie Auto, Photovoltaik und Haushalt zusammenpassen, bekommt mit diesem Projekt aber eine klare Richtung vorgegeben: weg von reinen Verbrauchern, hin zu mobilen Energieeinheiten.

Was taugt das Projekt jenseits der Showbühne?

Ehrlich gesagt, ist Deep Orange 17 kein Serienfahrzeug und wird auch nicht morgen bei BMW im Showroom stehen. Es ist ein Forschungsprototyp, der zeigen soll, dass energiepositive Mobilität technisch möglich ist. Genau darin liegt aber der Wert: Das Fahrzeug demonstriert, dass ein E-Auto durch Solarintegration zunehmend energieunabhängig werden kann, so ein Teammitglied wörtlich.

Gleichzeitig lohnt sich ein kritischer Blick. Solarmodule auf Karosserieoberflächen haben heute noch einen begrenzten Wirkungsgrad, sie sind teuer in der Herstellung und empfindlich bei Reparaturen. Hagel, Steinschlag oder ein simpler Parkrempler können ganze Flächen unbrauchbar machen. Außerdem hängt der Ertrag stark vom Standort ab. In Frankfurt mag das Modell funktionieren, im regenreichen München oder im tiefen Winter sieht die Bilanz deutlich anders aus. Genau deswegen haben die Studierenden die Simulation auf vier sehr unterschiedliche Standorte ausgelegt.

Mein Fazit

Deep Orange 17 ist kein Auto, das du kaufen kannst, und kein Modell, das in den nächsten Jahren in Großserie geht. Was es aber zeigt, ist eine Richtung, in die sich E-Mobilität entwickeln muss: raus aus der reinen Verbraucherrolle, hin zu einem mobilen Energiespeicher, der seine eigene Energie erntet. Für deutsche Haushalte mit Eigenheim, PV-Anlage und Wallbox ist genau das der spannende Punkt. Wenn PV-Integration am Fahrzeug, bidirektionales Laden und intelligentes Energiemanagement zusammenwachsen, verschiebt sich die Frage „Wann lade ich?“ in Richtung „Lade ich überhaupt noch extern?“. Die Clemson-Studierenden liefern einen starken Beleg, dass die Antwort nicht mehr utopisch klingt.

Häufige Fragen

Was ist Deep Orange 17?

Deep Orange 17 ist ein solarbetriebener Prototyp eines Elektroautos, den Masterstudierende der Clemson University gemeinsam mit dem Forschungs- und Entwicklungsteam von BMW entwickelt haben. Der Modellname lautet Luminetta.

Wie viel Strom erzeugt das Solar-E-Auto?

Bei einer täglichen Fahrstrecke von 20 Kilometern erzeugte das Fahrzeug im Modell an allen vier Teststandorten genug überschüssige Solarenergie für rund 50 Kilometer zusätzliche Reichweite.

Wie viele Solarpanele hat das Auto und wo sitzen sie?

Mehr als 1700 kleine PV-Module sind direkt in die äußeren Oberflächen des Fahrzeugs integriert, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solarenergiesysteme ISE.

Warum wiegt das Solar-E-Auto so wenig?

Deep Orange 17 wiegt nur etwa 550 Kilogramm, also rund ein Viertel vergleichbarer Serienfahrzeuge. Möglich wird das durch ein mehrschichtiges Chassis aus Strukturstahl, Aluminium, Kohlefaser und 3D-gedruckten Metallverbindungen.

Quelle: elektroauto-news.net. Stand: 11.08.2026.
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