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HEIONTEC: Strom aus Umgebungswärme statt Sensor-Batterie

HEIONTEC: Strom aus Umgebungswärme statt Sensor-Batterie

Das Wichtigste in Kürze

  • HEIONTEC entwickelt eine Pouch-Zelle, die Batterien in Sensoren ersetzen soll
  • Der Elektrolyt besteht aus ranzigem Rapsöl, Schwefelsäure und Eisensulfat
  • Die Zelle arbeitet bei Temperaturen zwischen zehn und 60 Grad
  • Celtrix aus Itzehoe soll Prototypen und später Serien fertigen
  • Erste Geräte in Lagern und Büros bis zum ersten Quartal 2027 geplant

Eine Pouch-Zelle, die ihre Energie aus warmer Umgebungsluft zieht, soll in Hotels und Fabriken schon bald die Batterie in Sensortüren und Industriesensoren ersetzen. Das Cleantech-Unternehmen HEIONTEC aus Schleswig-Holstein hat diese Idee jetzt bei „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt, ist dort aber leer ausgegangen. Spannend ist die Technologie trotzdem, denn sie zielt genau auf die Stellen, an denen Energy Harvesting bisher passen musste.

Was HEIONTEC eigentlich gebaut hat

Ingenieur prueft einen kleinen Sensor an einem Versuchsaufbau mit Waermequelle.

Die Idee entstand im Labor in Lohmar bei Bonn, als die Erfinder Waldemar Lewtschenko und Anton Ledwon nach einem besseren Dieselkraftstoff suchten. Übrig blieb eine Flüssigkeit, die zwischen zwei Elektroden Strom lieferte, sich entlud und beim Liegenlassen wieder auflud. Aus diesem Elektrolyten wurde das Cleantech-Unternehmen HEIONTEC in Siblin bei Lübeck, geführt von Andreas Heine.

Vier Jahre lang testeten die Erfinder tausende Versuchszellen, schlossen sie kurz und maßen, wie sie sich erholten. Lange habe ihnen niemand geglaubt. Inzwischen arbeiten Forschende der Hochschule Düsseldorf und der University of South Carolina an der Zelle. Der Chemiker und Patentanwalt Frank Schneider hat als wissenschaftlicher Leiter die Funktionsweise entschlüsselt.

Woraus die Zelle besteht und wie sie funktioniert

Den Elektrolyt stellt HEIONTEC aus ranzigem Rapsöl, Schwefelsäure und Eisensulfat her, also aus Reststoff und Industriechemikalien. So beschreibt es ein Gebrauchsmuster, das Anfang 2026 eingetragen wurde. Seltene Erden, Lithium oder Kobalt braucht die Zelle nicht. Zwischen einer Graphitfolie und einer Elektrode aus einfachem Stahl liefert sie bei Raumtemperatur eine Spannung zwischen 0,5 und einem Volt.

Die Funktionsweise beschreibt HEIONTEC als Kreislauf. Gibt die Zelle Strom ab, laufen im Elektrolyten Reaktionen mit Eisen-Ionen ab, die Wärme verbrauchen, die Zelle kühlt ab. Danach nimmt sie Wärme aus der Umgebung auf und kehrt in ihren Ausgangszustand zurück. Je wärmer es ist, desto schneller geht das. Thermo-elektrochemische Zellen erforschen Labore weltweit seit Jahren, in der Regel arbeiten sie mit einem Temperaturunterschied, etwa zwischen Abwärme und kühler Luft. HEIONTEC beansprucht, dass die eigene Zelle ohne äußeres Temperaturgefälle auskommt, und nennt das in seinen Patentanmeldungen als Kern der Erfindung.

Auf der Fachkonferenz EnerHarv 2026 stellte das Forschungsteam den Ansatz als Poster vor. Pro Gramm Elektrolyt liefert die Zelle danach 0,8 Volt Leerlaufspannung, einen Spitzenstrom von rund einem Milliampere und einen Dauerstrom von rund einem Mikroampere. Sie arbeitet bei Temperaturen zwischen zehn und 60 Grad. Für Sensoren, die nur in Abständen einen Messwert funken, sammelt eine Leistungselektronik diese Energie in einem Zwischenspeicher.

Wer die Zelle fertigt und wer sie testet

Aus dem Labor in die Fertigung geht HEIONTEC mit dem Batteriezellen-Hersteller Celtrix aus Itzehoe. Celtrix baut Zellen nach Maß, etwa für Medizintechnik, Drohnen und Raumfahrt, wo Standardbatterien an Grenzen stoßen. Im Juli vereinbarten beide Unternehmen eine Technologiepartnerschaft, vermittelt über das Lübecker Startup-Programm Gateway49. Celtrix soll zunächst Prototypen bauen, später wollen die Partner in Serie fertigen.

Statt auf Knopfzellen setzt HEIONTEC inzwischen auf Pouch-Zellen, also flache Zellen in einer Folienhülle, deren Größe sich an die Anwendung anpassen lässt. „Unser Beitrag besteht darin, aus einer vielversprechenden Technologie fertigungstaugliche Zellen zu machen“, sagt Celtrix-Mitgründer Stefan Klebor.

Zwei Unternehmen testen die Technologie bereits, sagte Gründer und Geschäftsführer Andreas Heine. Ziel sind erste Geräte in Lagern und Büros bis zum ersten Quartal 2027. Als Anwendungen nennt HEIONTEC Sensoren in der Industrie und Türschlösser in Hotels. Eine eigene Fabrik plant das Unternehmen nicht, es will die Technologie lizenzieren und Partner fertigen lassen.

  • Elektrolyt: Rapsöl, Schwefelsäure, Eisensulfat
  • Elektroden: Graphitfolie und einfacher Stahl
  • Form: Pouch-Zelle, an die Anwendung anpassbar
  • Arbeitstemperatur: zwischen zehn und 60 Grad
  • Spannung pro Gramm: 0,8 Volt Leerlaufspannung

Warum die Löwen nicht einstiegen

In der VOX-Sendung forderte das Team 250.000 Euro für 2,5 Prozent der Anteile, also eine Bewertung von zehn Millionen Euro. Keiner der fünf Investoren stieg ein. Frank Thelen fand die Präsentation schwach, traute der Technologie aber großes Potenzial zu. Seit der Aufzeichnung hat HEIONTEC laut Wirtschaftswoche eine Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von 7,5 Millionen Euro abgeschlossen. Über FunderNation sammelte das Unternehmen rund 1,26 Millionen Euro von 292 Anlegern ein.

Zweifel an der Regenerationsfähigkeit führt HEIONTEC auf der Crowdinvesting-Plattform selbst als Risiko auf. Ausräumen sollen das mehrjährige Labortests und eine unabhängige Validierung im Klimaprüfstand der Hochschule Düsseldorf. „Die intelligente Nutzung thermochemischer Reaktionen zur autarken Energiebereitstellung stellt einen echten Technologiesprung dar“, sagt Jens Bockstette, Professor für Energiewandlung und -speicherung an der Hochschule Düsseldorf. Schneider sieht die Lücke, in die der Elektrolyt stößt, bei Wärme knapp über Raumtemperatur. Für Abwärme dieser Güte habe die Industrie bislang kein Konzept.

HEIONTEC im Vergleich zu EnOcean, Exeger und Epishine

Mehrere Sensormodule auf einer Werkbank, teils mit Batterie teils mit Energy-Harvesting-Zelle.

Batterielose Sensoren gibt es seit mehr als 20 Jahren, Fachleute sprechen von Energy Harvesting. Die Münchner EnOcean GmbH startete 2001 als Ausgründung von Siemens und versorgt Funkschalter und Sensoren mit Energie aus Tastendruck, Licht oder Temperaturunterschieden. Ihr Funkstandard ist seit 2012 international genormt. Produkte nach diesem Standard stecken in mehreren hunderttausend Gebäuden.

Für Innenräume setzen zwei schwedische Cleantech-Unternehmen auf Solarzellen, die schon bei Lampenlicht arbeiten. Exeger aus Stockholm baut seine Powerfoyle-Zellen in Kopfhörer und andere Elektronik ein. Epishine aus Linköping fertigt organische Solarzellen für Innenraum-Sensoren.

HEIONTEC zielt auf Orte, an die weder Licht noch Bewegung reichen. Das kann das Innere eines Türschlosses sein, ein Schaltschrank oder ein Temperaturfühler im Gewächshaus. Dort tauschen Techniker heute Batterien. Laut Patentanmeldung soll die Zelle auch ungerichtete Abwärme bis 70 Grad nutzen, wie sie in Fabrikhallen anfällt.

Mein Fazit

HEIONTEC besetzt eine echte Lücke. In Türschlössern, Schaltschränken und abgeschirmten Industriesensoren helfen weder Tastendruck noch Lampenlicht weiter, und genau dort fällt Abwärme knapp über Raumtemperatur an. Wenn die Pouch-Zelle im Klimaprüfstand der Hochschule Düsseldorf hält, was das Labor verspricht, ist der Markt dafür groß. Spannend bleibt, ob die unabhängige Validierung die Skepsis der Höhle-der-Löwen-Investoren wirklich entkräftet. Mein Eindruck: Die Chemie klingt schlauer als die Präsentation, und ein Lizenzmodell ohne eigene Fabrik ist für ein Deep-Tech-Startup in dieser Phase der richtige Schritt. Trotzdem bleibt offen, wie sich die Zelle in echten Stückzahlen verhält, wenn Celtrix die ersten Prototypen gebaut hat.

Häufige Fragen

Was macht HEIONTEC genau?

HEIONTEC entwickelt eine Pouch-Zelle, die Batterien in Industriesensoren und Türschlössern ersetzen soll und ihre Energie aus Umgebungswärme gewinnt.

Woraus besteht der Elektrolyt?

Der Elektrolyt wird aus ranzigem Rapsöl, Schwefelsäure und Eisensulfat hergestellt, also aus einem Reststoff und Industriechemikalien.

Wer fertigt die Zellen?

Der Batteriezellen-Hersteller Celtrix aus Itzehoe soll zunächst Prototypen bauen und später in Serie fertigen.

Wann sollen erste Geräte laufen?

Erste Geräte in Lagern und Büros sind bis zum ersten Quartal 2027 geplant, zwei Unternehmen testen die Technologie bereits.

Quelle: cleanthinking.de. Stand: 06.10.2026.
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