Das Wichtigste in Kürze
- MaxSolar und DB Energie schließen deutschlandweit ersten förderfreien Hybrid-PPA
- Anlagenkombination aus PV-Freifläche und benachbartem Batteriespeicher
- Projekt Friedrichshof in Klein Belitz, Landkreis Rostock
- Inbetriebnahme für Sommer 2027 vorgesehen, Vertragslaufzeit zehn Jahre
- Speicher verschiebt prognostizierte Einspeisemengen und macht Profil marktgerecht
Ein Solarpark allein reicht längst nicht mehr, wenn Unternehmen ihren Grünstrom wirklich bedarfsgerecht beziehen wollen. Genau hier setzt das neue Modell an, das MaxSolar und DB Energie jetzt vereinbart haben: ein Hybrid-PPA, der Photovoltaik und einen Batteriespeicher gemeinsam vermarktet. Für dich als Beobachter des Marktes ist das vor allem deshalb spannend, weil es laut Mitteilung der Deutschen Bahn das erste förderfreie PPA in Deutschland ist, das eine solche Anlagenkombination bündelt.
Was ist ein Hybrid-PPA überhaupt?

Ein klassischer PPA, also ein Power Purchase Agreement, ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen Erzeuger und Abnehmer. Damit sichert sich der Abnehmer planbare Mengen und der Erzeuger eine fest kalkulierbare Einnahme. Bisher wurden solche Verträge meist für einzelne Anlagen geschlossen, etwa einen reinen Windpark oder einen reinen Solarpark.
Ein Hybrid-PPA geht einen Schritt weiter: Er kombiniert die Erzeugung erneuerbaren Stroms mit der Flexibilität eines Speichers. Das heißt, der Batteriespeicher verschiebt die Einspeisemenge zeitlich und gleicht Schwankungen aus. Für dich bedeutet das: Strom aus Sonne wird nicht mehr nur dann verkauft, wenn er gerade entsteht, sondern dann, wenn der Markt ihn braucht.
Wie setzt MaxSolar das in Friedrichshof konkret um?
Das Vorhaben trägt den Namen Friedrichshof und liegt in der Gemeinde Klein Belitz im Landkreis Rostock. Eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von rund 37 MWp bildet das Rückgrat. Nach der Inbetriebnahme im Sommer 2027 soll sie jährlich rund 36.680 Megawattstunden Strom erzeugen.
Direkt daneben entsteht ein Batteriespeicher mit 15 Megawatt Leistung und 30 Megawattstunden Kapazität. Diese Kombination ist der Kern des Modells. Ohne Speicher müsste der Strom exakt dann verkauft werden, wenn die Sonne scheint. Mit Speicher lässt sich das Lieferprofil flexibel an den Strommarkt anpassen.
- Photovoltaik: Freiflächenanlage in Klein Belitz, rund 37 MWp Spitzenleistung
- Erzeugung: jährlich rund 36.680 MWh Strom
- Speicher: 15 MW Leistung, 30 MWh Kapazität, benachbart zur PV-Anlage
- Inbetriebnahme: Sommer 2027
- Vertragslaufzeit: zehn Jahre
Wie funktioniert die Belieferung technisch?
Die Lieferung erfolgt als sogenannte „Pay-as-Nominated“-Bilanzkreislieferung. Das klingt sperrig, ist aber im Kern einfach: MaxSolar prognostiziert am Vortag die voraussichtliche Strommenge und liefert genau diese Menge in den Bilanzkreis von DB Energie. Damit das gelingt, muss die Prognose möglichst genau eingehalten werden, sonst entstehen Ausgleichsenergiekosten.
Der Batteriespeicher ist deshalb der entscheidende Hebel. Er verschiebt die prognostizierten Einspeisemengen zeitlich und kann so Lieferprofile flexibel an die Anforderungen des Strommarktes anpassen. Für dich heißt das: Die Anlage „rundet“ ihre eigene Prognose selbst glatt und entlastet damit den Abnehmer.
Warum ist gerade die Deutsche Bahn ein passender Abnehmer?
Die Bahn braucht enorme Mengen Strom, und dieser Strom soll zunehmend aus erneuerbaren Quellen kommen. Florian Reuter, Geschäftsführer der DB Energie, sieht langfristige Stromlieferverträge deshalb als wichtigen Baustein der Beschaffungsstrategie. Sie schaffen Planungssicherheit und helfen, den Anteil erneuerbarer Energien im Bahnstromportfolio kontinuierlich auszubauen.
Gleichzeitig steigt der Anteil fluktuierender Erzeugung im Netz. Wind und Sonne liefern nicht konstant, sondern je nach Wetter. Reuter formuliert es klar: Das Unternehmen müsse konsequent neue Wege finden, um eine bedarfsgerechte Strombereitstellung zu garantieren. Ein Hybrid-PPA mit Speicher liefert genau diese Flexibilität, weil er die Schwankung der Solaranlage teilweise ausgleichen kann.
Was bedeutet das Modell für die Vermarktung erneuerbarer Energien?
Bisher steckt die Vermarktung integrierter Anlagenkombinationen aus PV und Speicher noch in den Anfängen, wie die Deutsche Bahn in ihrer Mitteilung betont. Genau das macht Friedrichshof zum relevanten Vorhaben: Hier zeigt sich, dass sich Photovoltaik und Batteriespeicher als integriertes Paket auch ohne staatliche Förderung wirtschaftlich vermarkten lassen.
Anwar Darwich, Commercial Director der MaxSolar GmbH, ordnet das Modell strategisch ein. Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien verändern sich auch die Anforderungen an ihre Vermarktung. Künftig werde nicht mehr allein die Erzeugung entscheidend sein, sondern auch die Fähigkeit, Strom flexibel bereitzustellen. Hybrid-PPAs bildeten einen zentralen Baustein eines „NextGen-IPP-Geschäftsmodells“. IPP steht für Independent Power Producer, also für unabhängige Stromerzeuger, die ohne klassische Versorgerstrukturen am Markt auftreten.
- Planungssicherheit: Zehnjährige Laufzeit gibt Erzeuger und Abnehmer Kalkulationsgrundlage
- Förderfreiheit: Projekt kommt ohne staatliche Einspeisevergütung aus
- Flexibilität: Speicher gleicht Prognoseabweichungen aktiv aus
- Skalierbarkeit: Modell könnte Vorlage für weitere Industriekunden werden
Welche Rolle spielen Herkunftsnachweise?

MaxSolar liefert den erzeugten Strom einschließlich der Herkunftsnachweise an DB Energie. Das ist mehr als eine Formalität. Herkunftsnachweise dokumentieren, dass der Strom tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt, und sie sind die Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen wie die Bahn ihren Strom auch als „grün“ ausweisen darf. Für dich als Beobachter heißt das: Der ökologische Mehrwert wandert mit dem Strom mit und bleibt nicht irgendwo auf dem Weg verloren.
Was ändert sich für dich als Verbraucher?
Direkt ändert sich für Privathaushalte erst einmal nichts. Weder MaxSolar noch DB Energie versorgen Endkunden über dieses PPA, sondern beliefern den Bahnstrombereich. Trotzdem lohnt sich der Blick darauf, denn solche Modelle zeigen, wohin sich der gesamte Markt entwickelt. Wenn Speicher in Großanlagen Standard werden, sinken mittelfristig auch die Preise für kleinere Heimspeicher. Zudem normalisiert sich das Bild, dass Großabnehmer bereit sind, langfristig förderfreie Verträge mit Erzeugern zu schließen. Das ist ein Signal an Investoren, dass Solarprojekte auch ohne EEG-Vergütung wirtschaftlich darstellbar sind.
Mein Fazit
Friedrichshof ist mehr als ein einzelner Solarpark. Es ist ein praktischer Beweis dafür, dass die Energiewende nicht nur bei der Erzeugung, sondern zunehmend bei der Vermarktung erwachsen wird. Wer Solarstrom liefert, muss heute auch erklären können, wann und in welcher Form er ins Netz passt. Der Speicher im Modell macht aus einem wetterabhängigen Erzeuger einen marktgängigen Lieferanten, und genau das ist die Pointe. Du musst kein Bahnkunde sein, um davon zu profitieren. Wenn solche Hybrid-PPAs Schule machen, wird „Solarstrom plus Speicher“ zur neuen Grundeinheit förderfreier Erzeugung in Deutschland. Das ist eine Entwicklung, die den Druck auf fossile Backup-Kraftwerke weiter erhöht und die Diskussion über reine PV-Verträge ohne Speicher in wenigen Jahren alt aussehen lassen dürfte.
Häufige Fragen
Was ist neu an dem PPA zwischen MaxSolar und DB Energie?
Es ist laut Deutscher Bahn das deutschlandweit erste förderfreie PPA, das eine Anlagenkombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher gemeinsam vermarktet.
Wo entsteht das Projekt Friedrichshof?
Die Freiflächenanlage liegt in der Gemeinde Klein Belitz im Landkreis Rostock.
Ab wann liefert der Solarpark Strom an die Bahn?
Die Inbetriebnahme der Photovoltaik- und Batterieanlagen ist für Sommer 2027 vorgesehen.
Wie lange läuft der Vertrag zwischen MaxSolar und DB Energie?
Der Stromliefervertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren und umfasst auch die Herkunftsnachweise.