Das Wichtigste in Kürze
- Kia EV4 Allrad leistet 195 kW, Reichweite bis 560 km
- AC-Laden verdoppelt sich auf 11 kW, 10–80 % in 31 Minuten
- Heckantriebs-Variante bleibt mit 150 kW und bis zu 625 km
- Marktstart Mitte 2026, Preis der Topversion noch offen
- Konkurrenz: VW ID.3 GTX, Tesla Model 3 Long Range
Der Kia EV4 kann jetzt Allrad, aber brauchst du das wirklich?

Kia schiebt seinem Elektro-Kompakten EV4 eine Allradvariante und schnelleres AC-Laden hinterher. Das klingt erst mal nach Pflicht-Upgrade, ist aber strategisch spannender als es die Pressemitteilung vermuten lässt. Wer jetzt bestellt, bekommt 195 kW Systemleistung, bis zu 560 Kilometer Reichweite nach WLTP und endlich 11 kW Wechselstromladen statt der bisher mageren 7,4 kW.
Bisher stand der EV4 nur als heckgetriebene Limousine mit 150 kW in den Konfiguratoren. Die Allradversion kommt als Limousine und als Schrägheck (Fastback) und richtet sich klar an Käufer, die ihren EV4 auch im Winter, auf rutschigen Landstraßen oder mit Anhänger bewegen wollen. Die zweite E-Maschine an der Vorderachse kostet Reichweite, bringt aber Traktion.
Bleibt die Frage, ob Kia mit dem Schritt nicht zu spät kommt. Tesla Model 3, VW ID.3 GTX und Volvo EX30 spielen längst in der Allrad-Liga der Kompaktklasse. Schauen wir uns die Technik genauer an.
Was bringt der Allradantrieb technisch konkret?
Der Allrad-EV4 nutzt zwei Permanentmagnet-Motoren: 150 kW hinten, 45 kW vorn. Zusammen ergibt das die besagten 195 kW Systemleistung, also rund 265 PS. Das Drehmoment liegt bei etwa 320 Nm kombiniert, was für einen Kompakten mehr als ausreichend ist. Kia spricht von einer Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h in 7,1 Sekunden, rund eine Sekunde schneller als die Heckantriebsversion.
Im Alltag spürst du den Unterschied vor allem bei Nässe, Schnee und beim Anfahren am Berg. Die zweite E-Maschine greift zu, sobald Traktion fehlt oder mehr Leistung angefordert wird. Im Normalbetrieb fährt der EV4 effizienzoptimiert heckgetrieben, die Vorderachse koppelt sich bei niedriger Last komplett ab. Das schont die Batterie.
Die Batterie bleibt die gleiche 81,4-kWh-Einheit wie in der heckgetriebenen Long-Range-Variante. Allerdings sinkt die Reichweite spürbar: Statt 625 km (Heckantrieb) sind es beim Allrad maximal 560 km nach WLTP. Realistisch auf der Autobahn bei 120 km/h und 5 Grad Außentemperatur eher 380–420 km. Das ist kein Drama, aber ein klarer Trade-off.
- Heckantrieb: 150 kW, 7,4 kW AC, bis zu 625 km WLTP
- Allrad: 195 kW, 11 kW AC, bis zu 560 km WLTP
- Batterie: 81,4 kWh netto bei beiden Long-Range-Versionen
- DC-Laden: bis zu 128 kW, 10–80 % in 31 Minuten
Endlich 11 kW AC: warum das so wichtig ist
Die größte praktische Verbesserung versteckt sich in der AC-Säule. 11 kW Wechselstromladen ist Standard in dieser Klasse und für die meisten Wallboxen zu Hause ohnehin das Maximum. Bisher mussten sich EV4-Fahrer mit 7,4 kW begnügen, was eine volle Ladung über Nacht zwar schaffte, aber knapp. Wer morgens mit halbvoller Batterie starten wollte, brauchte fast 11 Stunden Ladezeit. Mit 11 kW sind es noch knapp 7,5 Stunden für 0 auf 100 Prozent.
Das klingt nach einem Detail, ändert aber den Alltag. Du kommst spät von der Arbeit, steckst um 22 Uhr ein, und um 6 Uhr morgens sind 75 kWh drin statt 55 kWh. Morgens reicht das locker für 350 Kilometer Pendelverkehr mit kleineren Erledigungen. Auch für Wärmepumpen-Haushalte, die ohnehin über ein Energiemanagement nachdenken, wird das Lastmanagement einfacher, weil die Wallbox nicht die vollen 7 Stunden blockiert ist.
Auch an öffentlichen 11-kW-Säulen, etwa bei IKEA, am Arbeitsplatz oder in Tiefgaragen, lädt der EV4 jetzt sinnvoll. Ein Großeinkauf von 2 Stunden bringt rund 22 kWh nach, etwa 130 Kilometer Reichweite. Praktisch.
Was kostet der Spaß, und wer ist die Konkurrenz?
Kia hat zum Start der Allradversion noch keinen finalen Preis kommuniziert. Erfahrungsgemäß liegt der Aufschlag gegenüber der heckgetriebenen Long-Range-Variante (ab rund 47.990 Euro Stand 07/2026) bei 3.500 bis 4.500 Euro. Realistisch also ein Einstiegspreis von etwa 52.000 Euro für den Allrad-EV4 in der Comfort-Ausstattung, Topversionen mit GT-Line-Paket kratzen an 57.000 Euro.
Damit bewegt sich der EV4 in einem Segment, das hart umkämpft ist. Drei direkte Konkurrenten stechen heraus:
| Modell | Leistung | Reichweite WLTP | AC-Laden | Preis ab |
|---|---|---|---|---|
| Kia EV4 AWD | 195 kW | 560 km | 11 kW | ca. 52.000 € |
| VW ID.3 GTX | 240 kW | 602 km | 11 kW | ca. 48.500 € |
| Tesla Model 3 Long Range AWD | 208 kW | 629 km | 11 kW | ca. 49.900 € |
| Volvo EX30 Twin Motor | 315 kW | 445 km | 11 kW | ca. 45.500 € |
Der EV4 spielt seine Stärke beim Preis-Leistungs-Verhältnis aus, patzt aber bei der reinen Performance. Wer Allrad will und auf Reichweite angewiesen ist, bekommt beim Model 3 oder ID.3 GTX mehr Kilometer pro Euro. Wer Allrad plus Ausstattung plus 7-Jahre-Kia-Garantie will, landet beim Koreaner.
Lohnt sich das Warten auf den Allrad?

Wenn du bisher mit der heckgetriebenen Version geliebäugelt hast und in einer Region mit Schnee und Hügeln wohnst, ja. Die Traktion allein ist den Aufpreis wert, weil ein versauter Wintertag ohne Allrad mehr kostet als die 4.000 Euro Differenz. Dazu kommt das spürbar schnellere AC-Laden, das jeden Wallbox-Nutzer freut.
Wenn du hingegen in der Stadt oder im Flachland unterwegs bist und die Reichweite das wichtigste Kaufkriterium war, bleib bei der Heckantriebsversion. Die 65 Kilometer zusätzliche WLTP-Reichweite sind im Alltag oft entscheidender als 45 kW Mehrleistung. Ein dynamischer Stromtarif mit Tibber oder Ostrom hilft dann mehr als ein zweiter E-Motor, weil du die günstigen Nachtstunden zum AC-Laden nutzt und pro kWh weniger bezahlst als an der Schnellladesäule.
Mein Tipp: Bestell den Allrad-EV4 nur, wenn du wirklich zwei E-Motoren brauchst. Die 7,4 kW AC waren ein echter Schwachpunkt, die Erhöhung auf 11 kW ist aber ein Argument für alle Varianten. Wenn Kia nachzieht und das 11-kW-AC auch in der heckgetriebenen Long-Range freischaltet, wartest du besser auf das Update.
Pro und Contra auf einen Blick
- Pro Allrad: Traktion bei Schnee, mehr Leistung, 11 kW AC, Anhängerbetrieb bis 1.000 kg möglich
- Pro Heckantrieb: 65 km mehr Reichweite, günstigerer Preis, effizienter im Sommer
- Contra Allrad: Höheres Gewicht (zirka 80 kg mehr), höhere Versicherungseinstufung, teurere Wartung
- Contra allgemein: Kein Wärmepumpen-Standard, CCS statt NACS, Lade-Hub im Heck ungewohnt positioniert
Mein Fazit
Der Kia EV4 Allrad ist ein logischer Schritt und macht das Modell für die Nordhälfte Deutschlands erst richtig alltagstauglich. 195 kW sind in dieser Klasse solide, 560 km Reichweite reichen auch für München-Hamburg-Pendler, und das 11-kW-AC-Laden räumt einen der größten Kritikpunkte ab. Trotzdem ist die Topversion kein Schnäppchen und steht in direkter Konkurrenz zu Tesla Model 3 und VW ID.3 GTX, die mehr Reichweite oder mehr Power fürs gleiche Geld bieten.
Kia bleibt seinem Kurs treu: solide Hardware, lange Garantie, faire Preise. Wer keinen Marken-Fanatismus pflegt und einen pragmatischen Allrad-Elektriker sucht, macht mit dem EV4 AWD nichts falsch. Wer hingegen primär nach Effizienz und Reichweite schaut, spart lieber 4.000 Euro und greift zur heckgetriebenen Long-Range, sobald auch dort das 11-kW-Update verfügbar ist.
Häufige Fragen
Wann ist der Kia EV4 mit Allrad bestellbar?
Kia hat die Bestellbücher für die Allradversion Mitte 2026 geöffnet. Erste Auslieferungen in Deutschland werden für Herbst 2026 erwartet, einzelne Konfigurationen können sich je nach Ausstattungslinie um einige Wochen verzögern.
Wie schnell lädt der Kia EV4 Allrad an einer Wallbox?
Mit dem neuen 11-kW-Onboard-Charger dauert eine vollständige Ladung von 10 auf 100 Prozent rund 7,5 Stunden. An einer üblichen 11-kW-Wallbox zu Hause oder am Arbeitsplatz reicht das bequem über Nacht oder einen Arbeitstag.
Welche Reichweite hat der Kia EV4 AWD real im Winter?
Statt der 560 km nach WLTP sind bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und überwiegend Autobahnfahrt realistisch etwa 380 bis 420 km möglich. Mit Standheizung, Sitzheizung und 120 km/h Temposchnitt kannst du grob 30 Prozent Abzug einplanen.
Ist der Kia EV4 Allrad eine Alternative zum Tesla Model 3?
Ja, wenn du Wert auf 7 Jahre Kia-Garantie, ein anderes Design und ein günstigeres Leasing legst. Bei reiner Effizienz, Ladnetz und Performance bleibt das Model 3 Long Range AWD die Referenz. Die Wahl hängt am Geschmack und daran, ob du das Supercharger-Netz nutzen willst.