Live-Daten Redaktionell geprüft

Ratgeber

Flexibles Laden: 1 Mio. Tonnen CO2 vermeidbar?

Flexibles Laden: 1 Mio. Tonnen CO2 vermeidbar?

Das Wichtigste in Kürze

  • Über eine Million Tonnen CO2 pro Jahr durch flexibles Laden vermeidbar
  • 18,3 Terawattstunden Strom in 2026 zeitlich verschiebbar
  • Bis 2031 wächst das Potenzial auf 34 Terawattstunden
  • Haushalte können bis zu 1,65 Milliarden Euro jährlich sparen
  • Knapp 46 Prozent kennen dynamische Tarife oder Bonus-Modelle

Lohnt sich flexibles Laden wirklich für den Klimaschutz?

Frau Anfang 40 steckt nachts ihr Elektroauto an einer heimischen Wallbox an, konzentrierter Blick

Wenn du dein E-Auto dann lädst, wenn Wind und Sonne gerade viel Strom liefern, kann das laut einer aktuellen Studie von Eon und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) einen messbaren Klimaeffekt haben. Die Forscher rechnen vor, dass durch flexibles Laden sowie den intelligenten Betrieb von Wärmepumpen und Heimspeichern rechnerisch mehr als eine Million Tonnen CO2 pro Jahr vermeidbar wären. Das entspricht ungefähr dem Ausstoß von rund einer halben Million Verbrenner-Autos.

Die Logik dahinter ist einfach: Günstige Zeitfenster am Strommarkt fallen häufig mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zusammen. Wer in solchen Phasen lädt, tankt also automatisch mehr Grünstrom. Parallel dazu ließen sich durch die optimierte Nutzung von Ökostrom rechnerisch bis zu 380.000 Tonnen Erdgas zur Stromproduktion einsparen.

Klingt erstmal gut. Aber wie viel davon in der Praxis wirklich bei dir ankommt, hängt von einer zweiten Frage ab: der Steuerung im Alltag.

Wie groß ist das verschiebbare Potenzial in Deutschland?

Im laufenden Jahr 2026 ließen sich laut Flexibilitäts-Check 2026 in Deutschland bereits 18,3 Terawattstunden Strom zeitlich verschieben, wenn Elektroautos, Wärmepumpen, Heimspeicher und Haushaltsgeräte intelligent gesteuert würden. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 15,6 Terawattstunden, wobei bidirektional ladende E-Autos damals noch nicht eingerechnet wurden. Bis 2031 soll das Potenzial durch den weiteren Hochlauf elektrischer Energielösungen auf 34 Terawattstunden steigen.

Schauen wir auf die einzelnen Bausteine:

  • Mikro-Flexibilitäten wie Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen führen mit 96,1 Millionen Geräten und 8,3 Terawattstunden verschiebbarem Verbrauch.
  • Heimspeicher folgen mit 4,9 Terawattstunden bei 2,2 Millionen installierten Anlagen.
  • E-Autos tragen aktuell 3,6 Terawattstunden bei, bei über zwei Millionen zugelassenen Elektroautos in Deutschland.
  • Bidirektional ladefähig sind davon rund 280.000 Fahrzeuge, die also Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder ins Netz oder Haus zurückspeisen können.

Das ist heute schon ein nennenswerter Hebel. Und das Bild verschiebt sich bis 2031 deutlich.

Warum Heimspeicher 2031 die größte Rolle spielen

Bis 2031 prognostiziert die Studie einen kräftigen Umbruch in der Rangfolge. Heimspeicher sollen dann mit 13,7 Terawattstunden das größte Flexibilitätspotenzial stellen, noch vor den E-Autos, die auf 9,3 Terawattstunden bei prognostizierten 5,6 Millionen Fahrzeugen kommen, davon 1,5 Millionen bidirektional ladefähig. Wärmepumpen wachsen im selben Zeitraum von aktuell 1,5 auf 2,9 Terawattstunden, während die Zahl der Mikro-Flexibilitäten weitgehend stabil bleibt.

Was das für dich bedeutet: Wenn du heute eine Anschaffung planst, ist die Frage nicht mehr nur „Wallbox ja oder nein“, sondern zunehmend „Speicher und bidirektionales Laden mitdenken“. Wer früh in ein System investiert, das Strom sowohl puffern als auch zurückgeben kann, profitiert langfristig am stärksten.

Was bringt dir das finanziell?

Die Studie hat erstmals konkrete Sparpotenziale berechnet. Würden alle Haushalte mit E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeichern ihre Verbräuche optimiert in günstige Zeitfenster legen, ließen sich jährlich bis zu 762 Millionen Euro einsparen, ohne dass dabei weniger Strom verbraucht würde. Bezieht man zusätzlich Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler ein, wächst das bundesweite Sparpotenzial auf bis zu 1,65 Milliarden Euro.

Entscheidend dafür ist laut Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland, das passende Tarifmodell:

  • Intelligente Tarife mit festem Flexibilitätsbonus belohnen dich für das Verschieben deiner Lasten mit einem planbaren Bonus.
  • Dynamische, am Börsenstrompreis orientierte Modelle schwanken im Preis, können in günstigen Stunden aber besonders niedrige Arbeitspreise bieten.

In einer begleitenden Umfrage bevorzugten mehr als dreimal so viele Teilnehmende einen Tarif mit festem Arbeitspreis und Bonus gegenüber einem vollständig dynamischen Modell. Das ist nachvollziehbar: Wer Geld sparen will, aber nicht täglich Strompreise checken möchte, fährt mit einer Kombination aus Grundpreis und Flexibilitätsbonus meist ruhiger.

Wissen ist da, Nutzung hinkt hinterher

Windkraftanlagen auf einem Feld in der Dämmerung, weite Landschaftsansicht, kühles Licht

Eine begleitende Bevölkerungsumfrage des Marktforschungsinstituts YouGov zeigt, dass das Bewusstsein wächst: Knapp 46 Prozent der Befragten geben an, bereits über dynamische Tarife oder Modelle mit Flexibilitätsbonus informiert zu sein, rund zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig erklären 68 Prozent aller Teilnehmenden, bereit zu sein, größere Stromverbräuche wie das Laden des eigenen E-Autos zeitlich zu verschieben, wenn sie dafür finanziell profitieren.

Das klingt nach einer breiten Akzeptanz. Aber zwischen „wissen“ und „tatsächlich machen“ liegt bekanntlich ein weiter Weg. Der FfE-Geschäftsführer Serafin von Roon ordnet die Entwicklung so ein: Das Gesamtpotenzial habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Terawattstunden erhöht, wobei in der Studie 2026 erstmals auch bidirektional ladende E-Autos berücksichtigt wurden.

Wo Bayern die Nase vorn hat

Im Bundesländer-Vergleich liegt Bayern mit 550 Kilowattstunden verschiebbarem Potenzial je Haushalt und einer Bereitschaft von 73 Prozent weiterhin vorn, gefolgt von Baden-Württemberg und Niedersachsen. Beide Rangfolgen bleiben der Prognose zufolge auch 2031 nahezu unverändert. Das hat weniger mit Mentalität als mit der Kombination aus hohem EE-Anteil, vielen E-Autos und vielen Wärmepumpen zu tun.

Damit das Potenzial in der Breite ankommt, fordert Eon klare regulatorische Rahmenbedingungen. Mit Blick auf die anstehende Regelung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) wirbt das Unternehmen für praxistaugliche Lösungen für Millionen Haushalte statt technisch komplexer Speziallösungen für wenige Experten. Damit bidirektionales Laden sein Potenzial ausschöpft, pocht Eon zudem auf offenen Datenzugang: Fahrzeugdaten müssten für Energiedienstleister und intelligente Steuerungssysteme im Haus frei zugänglich sein. Zeitvariable Netzentgelte sollen einen finanziellen Anreiz schaffen, während zwischengespeicherter Strom aus Sicht des Unternehmens von einer mehrfachen Belastung durch Netzentgelte, Steuern und Abgaben ausgenommen werden müsse.

Mein Fazit

Eine Million Tonnen CO2 klingt erstmal nach einer großen Zahl, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass der Wert bis 2031 laut Prognose auf knapp 920.000 Tonnen sinkt, weil der Strommix insgesamt grüner wird. Das ist kein Argument gegen flexibles Laden, im Gegenteil: Es zeigt, dass jede Tonne, die du durch bewusstes Laden heute vermeidest, in einem noch dreckeren Mix mehr zählt als morgen. Wer jetzt auf ein System mit Wallbox, optionalem Heimspeicher und einem Tarif mit Flexibilitätsbonus setzt, fährt langfristig am günstigsten, vorausgesetzt, du vertraust deinem Anbieter die nötigen Steuerungsdaten an. Meine klare Empfehlung: Mach es dir nicht zu kompliziert. Ein einfacher Bonus-Tarif, eine smarte Wallbox und die Bereitschaft, das Auto nachts oder bei Windstunden zu laden, reichen oft schon, um spürbar zu sparen und gleichzeitig den Druck aus dem Netz zu nehmen.

Häufige Fragen

Wie viel CO2 lässt sich durch flexibles Laden wirklich vermeiden?

Laut Flexibilitäts-Check 2026 von Eon und FfE sind rechnerisch mehr als eine Million Tonnen CO2 pro Jahr vermeidbar, wenn E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher intelligent gesteuert werden.

Welche Geräte tragen am meisten zum verschiebbaren Strom bei?

Aktuell führen Mikro-Flexibilitäten wie Waschmaschinen und Spülmaschinen mit 8,3 Terawattstunden, vor Heimspeichern und E-Autos. Bis 2031 sollen Heimspeicher mit 13,7 Terawattstunden das größte Potenzial stellen.

Lohnt sich ein dynamischer Tarif oder ein Bonus-Tarif mehr?

In der begleitenden Umfrage bevorzugten mehr als dreimal so viele Teilnehmende einen Tarif mit festem Arbeitspreis und Flexibilitätsbonus gegenüber einem vollständig dynamischen Modell. Das Gesamtsparpotenzial liegt laut Studie bei bis zu 1,65 Milliarden Euro pro Jahr.

Was fordert Eon von der Politik für mehr Flexibilität?

Eon wirbt für praxistaugliche Regelungen im Rahmen der MiSpeL, für offenen Datenzugang der Fahrzeuge, für zeitvariable Netzentgelte und für eine Befreiung zwischengespeicherten Stroms von mehrfacher Belastung durch Netzentgelte, Steuern und Abgaben.

Quelle: elektroauto-news.net. Stand: 13.09.2026.
Weiterlesen

Vertiefende Einordnungen aus der SmartStromVergleich-Redaktion.