Das Wichtigste in Kürze
- Fiat plant die Multiplina als viersitziges Leichtfahrzeug ab 2028.
- Optik erinnert an den ersten Multipla von 1998.
- Basis ist der Topolino, Reichweite bleibt unter 100 km.
- Preis könnte zwischen 12.000 und 15.000 Euro landen.
- In Deutschland zunächst nur als L6e oder L7e zulassungsfähig.
Fiat macht den Multipla wiederbelebbar. Allerdings nicht als herkömmliches Elektroauto, sondern als Leichtfahrzeug nach L6e oder L7e. Die Multiplina soll ab 2028 starten, vier Personen transportieren und sich optisch am kultigen Ur-Multipla von 1998 orientieren. Klingt nach Spielzeug. Ist es aber nicht.
Was steckt hinter der Multiplina?

Die Multiplina ist kein Zufallstreffer im Stellantis-Portfolio. Sie soll das Bindeglied zwischen dem Topolino und einem vollwertigen Fiat 500e werden. Der Topolino ist seit 2024 als L7e-Variante auf dem Markt, kostet knapp 9.900 Euro in Italien und bringt es auf rund 75 Kilometer Reichweite. Klar, dass die Erweiterung kommt.
Fiat-Chef Olivier François spricht intern vom „Bruder“ des Topolino. Vier Sitzplätze, etwas mehr Stauraum, dafür weniger Reichweite als ein normaler 500er. Wer den ersten Multipla kennt, ahnt, wohin die Reise geht: maximaler Innenraum auf minimaler Grundfläche.
Laut bisherigen Berichten soll die Multiplina in Nordafrika produziert werden, genauer gesagt in Marokko. Das ist nicht trivial, denn das senkt die Herstellungskosten spürbar. Stellantis betreibt dort seit Jahren Werke mit günstiger Lohnstruktur und profitiert von EU-Handelsabkommen.
Warum ein L6e oder L7e wirklich relevant ist
In Deutschland brauchst du für ein L6e-Fahrzeug mindestens 15 Jahre und einen Mofa-Führerschein. L7e ist ab 16 mit dem Führerschein AM machbar, ab 18 mit dem B-Schein. Das klingt erst mal nach vielen Einschränkungen, ist in Wirklichkeit aber eine geöffnete Hintertür.
Viele Autofahrer denken, ein Leichtfahrzeug darf maximal 45 km/h fahren. Stimmt für L6e, aber nicht für L7e. L7e schafft bis zu 90 km/h, gilt rechtlich aber als Kleinkraftrad und nicht als PKW. Daraus ergibt sich eine ganze Reihe praktischer Folgen.
- Kein separates Pkw-Kennzeichen nötig, oft reicht ein Mofa-Schild
- Steuern fallen teils deutlich niedriger aus
- Kein TÜV im klassischen Sinn, dafür regelmäßige Plaketten
- Kein Tempolimit über 90 km/h, dafür in manchen Zonen benachteiligt
Wer in der Stadt wohnt und seinen Zweitwagen ersetzen will, fährt mit einem L7e oft besser als mit einem gebrauchten Verbrenner. Die Reichweite ist in Ballungsgebieten kein Thema, weil man ohnehin selten weiter als 50 Kilometer am Stück fährt.
Preis, Reichweite und Kosten im Vergleich
Was kostet das Fahrzeug tatsächlich, und wo positioniert es sich gegenüber anderen Leicht-EVs? Hier eine erste Einordnung, da offizielle Preise für Deutschland noch fehlen.
| Modell | Segment | Preis (UVP ca.) | Reichweite | Top-Speed |
|---|---|---|---|---|
| Fiat Topolino (L7e) | Leichtfahrzeug | 9.900 EUR | 75 km | 45 km/h |
| Fiat Multiplina (geplant) | Leichtfahrzeug | 12.000 bis 15.000 EUR | 90 bis 110 km | 90 km/h |
| Citroen Ami | L6e | 7.500 EUR | 75 km | 45 km/h |
| Microlino | L7e | 14.990 EUR | 230 km | 90 km/h |
| Silence S04 | L7e | 11.500 EUR | 149 km | 90 km/h |
Du siehst, das Preisniveau für L7e in Deutschland liegt zwischen 7.500 und 15.000 Euro. Die Multiplina würde sich damit am oberen Rand bewegen, dafür aber mehr Platz bieten als Ami, Topolino oder Silence S04. Microlino bleibt mit seiner Reichweite von 230 km der Reichweiten-König, kostet aber fast genauso viel.
Wo die Multiplina Sinn ergibt
Stell dir drei konkrete Situationen vor. Familie mit zwei Kindern, Zweitwagen gesucht. Senior, der seinen Führerschein behalten will aber nicht mehr jeden Tag 50 Kilometer fährt. Pendler in der Großstadt mit Parkplatzproblem.
In allen drei Fällen wirkt ein L7e-Fahrzeug befreiend. Vier echte Sitzplätze, E-Antrieb mit niedrigen Ladekosten, keine Parkplatzsuche, weil das Fahrzeug quer auf zwei normale Pkw-Stellplätze passt. Stromkosten von rund 3 bis 4 Euro pro 100 Kilometer sind realistisch, sofern du einen dynamischen Tarif nutzt und nachts lädst.
Ein knappes Beispiel: Mit einem Tibber-Spot-Tarif von im Mittel 8 ct/kWh in 2026 kostet eine Vollladung mit 7 kWh Akku rund 56 Cent. Selbst bei einem Verbrauch von 10 kWh/100 km liegst du bei unter einem Euro pro 100 Kilometer. Versuch das mal mit einem Verbrenner zu schlagen, selbst mit E10-Preis von 1,70 Euro/Liter.
Was du realistisch erwarten kannst
Kühl bleiben hilft. Der geplante Marktstart 2028 ist noch drei Jahre entfernt. Bis dahin können sich Preise, Reichweiten und sogar die komplette Modellstrategie ändern. Stellantis hat in den letzten Jahren mehrfach Projekte verschoben oder eingestampft, das gehört zum Geschäft.
Außerdem ist die Multiplina kein Ersatz für ein vollwertiges Auto. Wer regelmäßig Langstrecke fährt, braucht weiterhin einen 500er oder einen anderen vollwertigen Stromer. Wer aber einen Zweitwagen sucht, ein Pendlerfahrzeug braucht oder einfach ein Spaßmobil für die Stadt will, sollte das Modell im Auge behalten.
Seriöse Schätzungen gehen von 90 bis 110 Kilometern WLTP-Reichweite aus. Das klingt nach wenig, passt aber perfekt zum L7e-Charakter. Schnellladen ist in der Klasse kein Thema, alle relevanten Modelle laden an Haushaltssteckdose oder Wallbox mit 2,3 bis 3,7 kW. Eine Wallbox mit dynamischem Tarif ist Gold wert, denn du lädst ohnehin nachts.
Pro und Contra auf einen Blick

Was für die Multiplina spricht, was dagegen. Ehrliche Einschätzung ohne Marketing-Schwurbel.
- Günstiger Einstieg in die Elektromobilität ab 12.000 Euro
- Vier Sitzplätze sind in der Klasse selten und praktisch
- Niedrige Betriebskosten mit Wallbox und dynamischem Tarif
- Steuerliche Vorteile durch L7e-Einstufung möglich
- Keine Reichweite für Langstrecke, maximal 110 km realistisch
- Eingeschränkte Führerscheinregeln je nach Klasse
- Bisher kein konkreter Deutschland-Termin, Marktstart frühestens 2028
Beim Punkt Führerschein lohnt sich der genauere Blick. Wer den Pkw-Führerschein B besitzt, darf L7e-Fahrzeuge fahren. Wer nur den alten Mofa-Schein hat, bleibt außen vor. Und wer einen internationalen Führerschein aus einem Drittstaat nutzt, sollte unbedingt vorher klären, ob L7e in der eigenen Klasse mit abgedeckt ist.
Alternative Anbieter, die schon heute liefern
Wer nicht bis 2028 warten will, hat jetzt schon Auswahl. Der Citroen Ami ist der bekannteste Vertreter und in 8 Ländern erhältlich, in Deutschland allerdings nur über Miet- oder Carsharing-Modelle direkt zu kaufen. Der Microlino kommt aus der Schweiz, sieht aus wie ein knubbeliger BMW Isetta und bringt richtig Reichweite mit.
Silence S04 ist ein spanisches Leichtfahrzeug mit viertürigem Aufbau und ordentlichem Stauraum. Wird in Köln bereits über Sharing-Anbieter getestet. Daneben tummeln sich chinesische Hersteller wie XEV oder Baojun mit ähnlichen Konzepten, deutsche Händler sind aber rar.
Kurz gesagt, du musst nicht auf Fiat warten. Probier ein Leichtfahrzeug im Sharing aus, bevor du bestellst. Viele Städte wie Berlin, Hamburg oder München bieten Ami, Topolino oder Silence als Stationsmiete an. So merkst du schnell, ob du mit den Einschränkungen leben kannst.
Mein Fazit
Die Multiplina ist kein Auto für jeden. Sie ist ein klug positionierter Zweitwagen, ein Stadtflitzer für vier oder ein Pendler-Mobil mit echtem Charakter. Wer den kultigen Multipla aus den 90ern mochte, bekommt hier ein durchdesigntes Echo. Allerdings gilt: Augen auf bei Preis und Reichweite, denn viele Versprechen klingen 2025 noch vollmundig.
Bis 2028 kann sich viel ändern. Bis dahin lohnt sich der Blick auf die Konkurrenz, ein dynamischer Stromtarif für die heimische Wallbox sowieso. Dann kannst du den Anschaffungspreis in unter drei Jahren gegenrechnen, wenn du statt Verbrenner ein L7e-Modell nutzt.
Häufige Fragen
Wann kommt die Fiat Multiplina nach Deutschland?
Fiat hat den Marktstart für 2028 angekündigt, ein konkreter Deutschland-Termin fehlt bisher. Wahrscheinlich erfolgt der Verkauf wenige Monate nach dem italienischen Marktstart im Frühjahr 2028.
Wie viel kostet die Multiplina voraussichtlich?
Erste Schätzungen liegen zwischen 12.000 und 15.000 Euro. Damit wäre sie teurer als der Topolino, aber günstiger als ein vollwertiger Fiat 500e.
Welchen Führerschein brauche ich für die Multiplina?
Als L7e-Fahrzeug reicht der normale Pkw-Führerschein der Klasse B. Für die L6e-Variante brauchst du mindestens 15 Jahre und eine Mofa-Prüfung.
Wie weit fährt die Multiplina mit einer Ladung?
Realistisch sind 90 bis 110 Kilometer. Das reicht für Stadtverkehr und kurze Pendelstrecken, nicht aber für Langstrecke. Schnellladen ist in dieser Klasse nicht vorgesehen.