Live-Daten Redaktionell geprüft

Ratgeber

E-Auto-Kaufbereitschaft in Deutschland: Vertrauen wächst rasant

E-Auto-Kaufbereitschaft in Deutschland: Vertrauen wächst rasant

Das Wichtigste in Kürze

  • 27 Prozent der Verbrenner-Halter:innen planen den Umstieg aufs E-Auto
  • Deutschland hat über 210.000 öffentliche Ladestationen, die meisten in Europa
  • 64 Prozent der E-Auto-Halter:innen hatten noch nie Reichweitenangst
  • 54 Prozent der Befragten sind heute aufgeschlossener als vor einem Jahr
  • Preis und Alltagstauglichkeit entscheiden am Ende über den Kauf

Wenn du heute mit Verbrenner durch Deutschland fährst, gehört zu ein wachsender Teil deiner Nachbar:innen bald womöglich nicht mehr dazu. Laut dem Here-SBD EV Index 2026 planen 27 Prozent der Halter:innen von Benzin- und Dieselautos, ihr nächstes Auto höchstwahrscheinlich als Elektrofahrzeug zu kaufen oder zu leasen. Das ist der höchste Anteil unter allen europäischen Vergleichsmärkten. Kein anderes Land im Index zeigt aktuell eine ähnlich hohe Umstiegsbereitschaft.

Warum ausgerechnet Deutschland ganz vorne liegt

Junger Vater lädt Einkäufe aus einem schwarzen E-SUV auf einem Supermarkt-Parkplatz, zwei Kinder neben einer

Die Studie kombiniert Infrastrukturdaten aus 30 europäischen Märkten mit einer Befragung von mehr als 4000 Autofahrer:innen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, dem Vereinigten Königreich, den USA, Indien und Australien. Im Gesamtranking belegt Deutschland gemeinsam mit Österreich Platz sechs. An der Spitze stehen Norwegen und die Niederlande, gefolgt von Belgien, Dänemark und Luxemburg.

Diese kleineren Länder profitieren laut Index von einer hohen Ladestationsdichte, hoher Ladeleistung und einer starken E-Auto-Durchdringung. Deutschland gilt als einer der stärksten großen Märkte für Elektromobilität in Europa. Die Wechselwirkung zwischen Nachfrage und Infrastruktur ist hier besonders eng, ähnlich wie im Vereinigten Königreich.

Was die Ladeinfrastruktur Deutschland vorausbringt

Die Kaufbereitschaft hängt in der Analyse eng mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur zusammen. Der Index weist für Deutschland mehr als 210.000 öffentliche Ladestationen aus, darunter über 55.000 Schnellladepunkte. Das ist die höchste Zahl unter allen untersuchten europäischen Märkten.

Noch deutlicher wird der Vorsprung bei der insgesamt verfügbaren öffentlichen Ladeleistung. Deutschland übertrifft den Wert jedes anderen europäischen Landes im Index um 48 Prozent. Frankreich folgt auf Platz zwei.

Wo das Netz besonders zuverlässig wirkt

64 Prozent der E-Autobesitzer:innen in Deutschland geben an, noch nie eine Fahrt aus Sorge um die Verfügbarkeit von Ladestationen vermieden zu haben. Auch das ist der höchste Wert unter den befragten europäischen Märkten. Wer das Netz regelmäßig nutzt, bewertet es offensichtlich besser als diejenigen, die nur davon lesen.

Diese Erfahrung schlägt sich direkt in der Wahrnehmung nieder:

  • 39 Prozent aller Befragten bewerten die Verfügbarkeit öffentlicher Ladestationen vor Ort positiv.
  • Unter Elektroautobesitzer:innen steigt dieser Anteil auf 59 Prozent.

Praktische Erfahrung mit dem Laden wirkt sich demnach erkennbar auf das Vertrauen in die Technologie aus. Das ist ein Punkt, den viele Haushalte unterschätzen, die den Umstieg noch planen.

Welche Gründe das Interesse am E-Auto befeuern

Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland, genau 54 Prozent, gibt an, heute eher als noch vor einem Jahr den Kauf eines Elektroautos in Betracht zu ziehen. Die Gründe für das wachsende Interesse sind laut Index klar verteilt:

  • 37 Prozent nennen Verbesserungen bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit als wichtigsten Grund.
  • 34 Prozent sehen steigende Kraftstoffkosten als Treiber.
  • Ebenfalls 34 Prozent führen eine zuverlässigere und verfügbare Ladeinfrastruktur an.

Hier zeigt sich ein typisches Muster: Technische Fortschritte und das dichter werdende Ladenetz wecken das Interesse, doch bei der eigentlichen Kaufentscheidung rücken andere Faktoren in den Vordergrund.

Warum der Preis am Ende entscheidet

In Deutschland überzeugen bei der Kaufentscheidung vor allem Kostenargumente:

  • 41 Prozent nennen niedrigere Betriebskosten.
  • 38 Prozent sehen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • 37 Prozent nennen Umweltvorteile.
  • 36 Prozent nennen steuerliche Anreize.

Technologische Fortschritte und ein dichteres Ladenetz wecken demnach zwar Interesse, über den tatsächlichen Kauf entscheiden am Ende jedoch meist Anschaffungs- und Unterhaltskosten. Wer also mit dem Gedanken spielt, sollte genau rechnen, was Unterhalt, Strom und Wartung pro Monat bedeuten.

Welche Bedenken den Umstieg noch ausbremsen

Ganz ausgeräumt sind die Sorgen nicht. In allen untersuchten Märkten bleibt die Zahl verfügbarer Ladepunkte das am häufigsten genannte Hindernis für den Umstieg. 40 Prozent der Teilnehmenden nennen diesen Punkt, sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. In Deutschland sieht die Rangliste der Bedenken so aus:

  • Reichweite mit 45 Prozent.
  • Ladestationsdichte mit 40 Prozent.
  • Fahrzeugpreis mit 39 Prozent.

Die Reichweite bleibt also trotz wachsendem Schnellladenetz die größte Sorge. Erst danach kommen die wahrgenommene Dichte und der Anschaffungspreis.

Wie Expert:innen den deutschen Markt einordnen

Modernes Schnelllade-Park mit Solardach, sechs Ladesäulen mit blauen LED-Streifen, deutsche Landschaft, blaue Stunde

Robert Fisher, Senior Consulting Manager bei SBD Automotive, sieht darin die kontinuierliche Entwicklung eines der wichtigsten europäischen Märkte für Elektrofahrzeuge. Deutschland profitiere von einem „ausgereiften Ladeökosystem und wachsendem Vertrauen der Verbraucher:innen“, was günstige Bedingungen für den Umstieg schaffe. Herausforderungen blieben zwar bei der Erschwinglichkeit und der Praxiseinschätzung bestehen, insgesamt sei die Entwicklung jedoch „eindeutig positiv“.

Denise Doyle, Chief Product Officer bei Here Technologies, ergänzt, der deutsche Markt werde „zunehmend von Vertrauen geprägt“, da Autofahrer:innen sich auf verfügbare und zuverlässige Ladestationen verlassen wollten. Mit zunehmender Verbreitung von Elektrofahrzeugen werde der Zugang zu Echtzeit-Ladeinformationen und Standortdaten immer wichtiger.

Was das für deinen Alltag bedeutet

Wenn du aktuell überlegst, vom Verbrenner auf ein E-Auto umzusteigen, liefert der Index eine ziemlich klare Botschaft: Die Phase der Grundsatzfragen ist in Deutschland vorbei, jetzt entscheiden Preise und Alltagstauglichkeit. Du kannst dich darauf verlassen, dass das öffentliche Ladenetz besonders im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gut ausgebaut ist und die Wahrscheinlichkeit, dass du eine Schnellladesäule findest, vergleichsweise hoch ist.

Was die Studie nicht beantwortet, aber du für dich klären solltest: Welche Reichweite du im Alltag wirklich brauchst, wie du zu Hause lädst und ob dein Haushalt überhaupt eine Wallbox installieren kann. Denn der Fahrzeugpreis allein entscheidet nicht über die Gesamtkosten, sondern auch die Ladekosten zu Hause und die Frage, wie oft du öffentlich laden musst.

Mein Fazit

Die Zahlen aus dem Here-SBD EV Index 2026 zeichnen ein ungewohnt optimistisches Bild des deutschen E-Auto-Marktes. 27 Prozent Umstiegsbereitschaft bei Verbrenner-Halter:innen sind ein deutliches Signal: Wer noch zögert, gehört zunehmend zur Minderheit.

Mein Eindruck: Die wichtigste Stellschraube ist nicht mehr die Politik, sondern der Wettbewerb der Hersteller um bezahlbare Modelle. Sobald der Anschaffungspreis spürbar sinkt und Leasingangebote alltagstaugliche Reichweiten unterbringen, dürfte der Knoten wirklich platzen. Bis dahin bleibt der deutsche Markt in einer Phase, in der das Vertrauen da ist, der Preis aber noch der Bremser ist.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Kaufbereitschaft für E-Autos in Deutschland?

27 Prozent der Halter:innen von Benzin- und Dieselautos planen laut Here-SBD EV Index 2026, ihr nächstes Auto höchstwahrscheinlich als Elektrofahrzeug zu kaufen oder zu leasen. Das ist der höchste Wert im europäischen Vergleich.

Wie gut ist die Ladeinfrastruktur in Deutschland ausgebaut?

Der Index weist mehr als 210.000 öffentliche Ladestationen aus, darunter über 55.000 Schnellladepunkte. Bei der insgesamt verfügbaren öffentlichen Ladeleistung übertrifft Deutschland jedes andere europäische Land im Index um 48 Prozent.

Was sind die größten Bedenken gegen ein E-Auto?

In Deutschland führen die Reichweite mit 45 Prozent, die Ladestationsdichte mit 40 Prozent und der Fahrzeugpreis mit 39 Prozent die Liste der meistgenannten Bedenken an.

Welche Argumente überzeugen beim Kauf am meisten?

Niedrigere Betriebskosten überzeugen 41 Prozent, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis 38 Prozent, Umweltvorteile 37 Prozent und steuerliche Anreize 36 Prozent der Befragten in Deutschland.

Quelle: elektroauto-news.net. Stand: 11.09.2026.
Weiterlesen

Vertiefende Einordnungen aus der SmartStromVergleich-Redaktion.