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Ratgeber

Citroën ami[for]all: E-Auto für Rollstuhlfahrer ab 15

Citroën ami[for]all: E-Auto für Rollstuhlfahrer ab 15

Das Wichtigste in Kürze

  • Citroën bringt den ami[for]all in Deutschland auf den Markt
  • Die Fahrertür öffnet bis zu 90 Grad für seitlichen Transfer
  • Gas und Bremse sind per mechanischem Handhebel bedienbar
  • Wahlweise Beifahrersitz oder Aluminium-Heckträger für den Rollstuhl
  • Fahren ist bereits ab 15 Jahren mit Führerschein AM erlaubt

Ein Kleinstwagen, der sich nicht selbst bewegt, aber die Bewegungsfreiheit seiner Nutzer:innen spürbar vergrößert: Der Citroën ami[for]all bringt das Konzept des elektrischen Ami in eine Version, die für Rollstuhlfahrer:innen gebaut ist. Seit Anfang August 2026 ist die Variante in Deutschland bestellbar. Sie richtet sich an Menschen mit Einschränkungen der unteren Gliedmaßen und soll im Alltag genau dort helfen, wo öffentliche Verkehrsmittel zu groß und eigene Wege zu Fuß zu weit sind.

Was macht den ami[for]all anders als den normalen Ami?

Junge Frau im Rollstuhl steigt über eine ausgeklappte Rampe in ein kleines Elektroauto ein, enge Gasse.

Im Kern bleibt er ein Ami: elektrisch angetrieben, kurz, wendig, urban gedacht. Der Umbau greift aber an den Stellen an, an denen ein herkömmliches Auto für Rollstuhlfahrer:innen zur Hürde wird. Drei Punkte sind dabei zentral, und genau die lohnen einen genaueren Blick, weil sie den Unterschied zwischen „kann theoretisch funktionieren“ und „klappt im Alltag“ ausmachen.

  • Die Fahrertür öffnet bis zu 90 Grad und schafft damit echten Platz für den seitlichen Transfer vom Rollstuhl auf den Fahrersitz.
  • Ein ausklappbares Transferbrett überbrückt den Spalt zwischen Rollstuhl und Sitz, eine zusätzliche Halteschlaufe am Türrahmen hilft beim Ein- und Aussteigen.
  • Gas und Bremse werden mechanisch per Handhebel betätigt, ein Lenkraddrehknauf erleichtert das Rangieren in engen Situationen.

Wichtig dabei: Die serienmäßigen Pedale bleiben erhalten. Das ist kein Detail am Rand, sondern eine Grundsatzentscheidung. Der ami[for]all kann dadurch weiterhin auch von Personen ohne körperliche Einschränkung gefahren werden, etwa von Freunden, Familienmitgliedern oder Begleitpersonen. Du kaufst also kein Spezialfahrzeug, das nur eine einzige Person nutzen kann, sondern ein Auto, das sich anpasst.

Wie kommt der Rollstuhl überhaupt mit?

Ein Auto, in das du einsteigen kannst, aber das deinen Rollstuhl nicht transportiert, löst das Alltagsproblem nur halb. Citroën bietet daher zwei Lösungen an, die je nach Situation sinnvoll sind.

Option eins: Der Rollstuhl wird im Innenraum auf dem Beifahrersitz verstaut. Das ist vor allem für Alleinfahrten praktisch, weil dann niemand mitfahren muss, der stört oder Platz wegnimmt. Option zwei: Bei Fahrten zu zweit lässt sich der Rollstuhl alternativ auf einem Aluminium-Heckträger befestigen. So bleibt der Innenraum nutzbar, und der Wagen bleibt ein vollwertiger Zweisitzer.

Diese Doppellösung ist mehr als eine technische Spielerei. Sie entscheidet darüber, ob ein Auto nur „im Notfall“ funktioniert oder ob es wirklich in den Alltag passt. Wer morgens zur Arbeit fährt und abends eine Begleitung dabeihaben will, braucht Flexibilität. Genau die ist hier eingebaut.

Wie viel Auto steckt technisch drin?

An den technischen Daten des Ami ändert der Umbau nichts, was die Sache für dich als Käufer:in einfacher macht: Was du über den normalen Ami weißt, gilt auch hier. Der Wagen fährt rein elektrisch, erreicht bis zu 45 Kilometer pro Stunde und kommt laut WMTC-Norm auf eine Reichweite von bis zu 75 Kilometern. Das ist auf den urbanen Alltag und kurze Pendelstrecken ausgelegt, nicht auf Langstrecke, und das muss es auch nicht sein.

Die 5,5-kWh-Batterie lässt sich an einer gewöhnlichen 230-Volt-Haushaltssteckdose laden, eine vollständige Ladung dauert weniger als vier Stunden. Du brauchst also keine Wallbox, keinen Spezialanschluss, keinen E-Auto-Stellplatz mit Ladesäule. Eine normale Steckdose reicht, was gerade in Mietwohnungen oder Mehrfamilienhäusern den Zugang deutlich erleichtert.

Mit einer Länge von 2,41 Metern und einem Wendekreis von 7,20 Metern bleibt der Wagen handlich. In engen Altstadtgassen, auf kleinen Parkplätzen oder in Reihenhäusern mit schmaler Einfahrt ist das ein echter Vorteil. Gefahren werden darf er bereits ab 15 Jahren mit der Führerscheinklasse AM. Damit fällt er in eine Kategorie, die eher an Moped oder Quad erinnert als an einen klassischen Pkw, was den Zugang für junge Nutzer:innen enorm vereinfacht.

Wer hat das eigentlich gebaut?

Der ami[for]all ist nicht im Elfenbeinturm entstanden, sondern im Rahmen von Star*Up, einem internen Intrapreneurship-Programm des Stellantis-Konzerns, das Ideen von Mitarbeitenden zur Marktreife bringen soll. Das ist mehr als eine schöne Anekdote: Es erklärt, warum ein Konzern überhaupt eine so spezielle Variante auf den Markt bringt, die klassisch vermutlich nie in der großen Stückzahlplanung gelandet wäre.

Nach der Einführung in Frankreich im Jahr 2023 ist das Modell inzwischen auch in Italien und Deutschland erhältlich. Für die Umrüstung ist der deutsche Spezialist Mobilcenter Zawatzky verantwortlich, die Anpassungen sind TÜV-geprüft. Das ist im deutschen Markt kein Detail, sondern Pflicht, weil eine TÜV-Prüfung die Grundlage dafür ist, dass das Fahrzeug überhaupt eine Zulassung bekommt und versicherbar bleibt.

Der Umbausatz lässt sich mit allen konfigurierbaren Ami-Versionen kombinieren, vom Basismodell bis zu höher ausgestatteten Varianten, ohne die grundsätzlich einfache Bedienung des Fahrzeugs zu verändern. Du kaufst also nicht ein Auto „light“, sondern wählst deine Ami-Ausstattung wie gewohnt und bekommst den barrierefreien Umbau obendrauf.

Was sagt Citroën selbst dazu?

Blick ins Innere eines barrierefreien Kleinwagens mit Drehsitz und Haltegriffen bei Tageslicht.

Thomas Goldboom, Geschäftsführer von Citroën Deutschland, ordnet die Erweiterung in die Markenphilosophie ein: Der ami[for]all entspreche „genau der Philosophie des Ami und Citroën: eine praktische, zugängliche Mobilitätslösung für alle“. Man freue sich, die Lösung zur Unterstützung der Mobilität von Menschen mit Behinderungen nun auch in Deutschland anbieten zu können.

Zitate wie dieses klingen oft nach Marketing, hier sind sie aber konkret: Der Ami war von Anfang an als günstiges, niedrigschwelliges Stadtauto gedacht. Dass eine Variante davon jetzt auch für Rollstuhlfahrer:innen verfügbar ist, ist die logische Fortsetzung dieses Ansatzes, kein Wohltätigkeitsprojekt am Rand.

Mein Fazit

Der ami[for]all ist eine ehrliche Antwort auf eine Frage, die in der Autoindustrie viel zu selten gestellt wird: Wie sieht Mobilität aus, wenn die Standardtür, das Standardpedal und der Standardtransfer nicht funktionieren? Citroën macht hier keine Revolution, sondern eine saubere Adaption eines bestehenden Konzepts. Das Transferbrett, der Handhebel, die 90-Grad-Tür, die Doppellösung beim Rollstuhltransport: All das sind sinnvolle, im Alltag nachvollziehbare Anpassungen.

Was den Wagen für mich besonders macht, ist die Beibehaltung der Pedale. Dadurch wird er nicht zum Spezialgerät, das nur eine einzige Person nutzen kann, sondern bleibt ein Ami, den alle fahren dürfen. Wer sich für ein Auto entscheidet, das unter 8000 Euro startet, bekommt hier eine Variante, die Selbstständigkeit zurückgibt, ohne den Rest der Familie auszuschließen. Genau das sollte ein Stadtauto im Jahr 2026 können.

Häufige Fragen

Was ist der Citroën ami[for]all?

Der ami[for]all ist eine speziell angepasste Version des elektrischen Citroën Ami für Menschen mit Einschränkungen der unteren Gliedmaßen, insbesondere für Rollstuhlfahrer:innen.

Welche Anpassungen hat der ami[for]all gegenüber dem normalen Ami?

Die Fahrertür öffnet bis zu 90 Grad, ein ausklappbares Transferbrett überbrückt den Spalt zum Sitz, Gas und Bremse werden mechanisch per Handhebel bedient, und ein Lenkraddrehknauf erleichtert das Rangieren.

Wie wird der Rollstuhl im ami[for]all transportiert?

Der Rollstuhl kann wahlweise auf dem Beifahrersitz im Innenraum oder auf einem Aluminium-Heckträger befestigt werden, je nachdem ob du allein oder zu zweit unterwegs bist.

Wer darf den ami[for]all fahren?

Der ami[for]all darf bereits ab 15 Jahren mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden, die Pedale bleiben erhalten, sodass auch Personen ohne körperliche Einschränkung ihn nutzen können.

Quelle: elektroauto-news.net. Stand: 10.08.2026.
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